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Boys Don't Cry

BOYS DON'T CRY Regie: Kimberly Pierce
Der folgende Text stammt aus dem Programmheft des Internationalen schwul-lesbischen Filmfestival "Verzaubert"

Der mittlere Westen Amerikas. Staubige Käffer. Gelangweilte Kleinbürger, deren Feierabendamüsement aus Saufen, Prügeln und Karaoke besteht. Doch in einem dieser Provinznester - Falls City, Nebraska - offenbart sich ein so außergewöhnliches Schicksal, so kompliziertes Liebesdreieck und so furchtbares Verbrechen, daß eine gesamte Nation und weltweite Community in Aufruhr versetzt wird.

Es ist die wahre Geschichte von Brandon Teena. Als Brandon in Falls City ankommt, gibt es endlich eine Zukunft für ihn. In seiner Heimatstadt war er ein Außenseiter, doch hier, nur fünfundsiebzig Meilen entfernt, gelingt es ihm schon bald, die Herzen der Gemeinde im Sturm zu erobern. Die Leute mögen den scheu lächelnden Fremden, der ein super Kumpel ist und dem die "Weiber" nur so hinterherrennen. Doch Falls Citys "Prince Charming" hütet ein tiefes Geheimnis. Als er sich in die schöne Lana verliebt und die beiden eine feste Beziehung eingehen, beginnt Brandons nahezu perfekr arrangiertes Doppelleben zu zerbrechen.

Mittlerweile ist sein Name vielen bekannt: Brandon Teena, alias Teena Brandon, wurde in einem weiblichem Körper geboren, entschied sich aber bereits in jungen Jahren, seine männliche Identität auszuleben. Es ist die erschütternde Biographie eines Menschen, der weiß, was er will und welche Identität für ihn existentiell ist, dessen Wunsch aber negiert, dessen Persönlichkeit gesellschaftlich entmündigt wird.
Filmplakat
1993 wurde Brandon Teena brutal ermordet. Gerade 21 Jahre alt. Er bezahlte mit dem Tod, daß er als Mann leben und lieben wollte. Regisseurin Kimberly Peirce gelingt das Kunststück, Brandons Schicksal feinfühlig in seiner gesamten Ambivalenz aufzufächern. Wir erleben Brandons glückliche Zeit unter Freunden, fühlen seine Liebe zu Lana, seine Angst vor Entdeckung, die Hoffnung auf Frieden und Akzeptanz, die Ohnmacht im Angesicht der dramatischen Entwicklung.

Vier Jahre lang engagierte sich Produzentin Christine Vachon, dieses einzigartige Projekt für die Leinwand zu realisieren. Hunderte von Schauspielerinnen mußten für die Rolle des Brandon vorsprechen, bis sich Regisseurin Peirce auf Anhieb für Hilary Swank entschied. Im Flanellhemd, die langen Haare unter einem Cowboy-Hut versteckt, überzeugte sie als "Typ". Ihre überragende Darstellung ist großer Teil des Erfolges, wie auch das gesamte Ensemble: Chloe Sevigny (Kids) liefert eine Glanzleistung in der Rolle der coolen Lana, des weiteren beeindrucken Alison Folland (ALL OVER ME), Peter Sarsgaard (ANOTHER DAY IN PARADISE) und Brendan Sexton III (PECKER).

BOYS DON'T CRY ist ein mutiger, brisanter Film, der weh tut, beschämt - vorantreibt. Daß ein Film mit derart spezifischem Inhalt wie Frau-zu- Mann-Transsexualität von einem Major-Studio unterstützt und international einen Kinostart erlebt, ist bahnbrechend. Wäre Hollywood mutig, regnete es Oscars. Das Wunderbare an diesem Film: Er wächst weit über seine Thematik hinaus. Zurückhaltend, fast ängstlich betraten Hilary Swank, Chloe Sevigny und Kimberly Peirce die offizielle Premierenvorführung in Venedig, konnten sie doch schwer einschätzen, wie ein breites Publikum reagiert. Der tosende, nicht endenwollende Applaus war nur ein weiteres Zeichen, daß BOYS DON'T CRY Grenzen sprengt.
Der wirkliche Brandon mit seiner Freundin Tisdel

Brandon's Mörder: John Lotter (oben) und Tom Nissen (unten)
Das amerikanische Magazin OUT widmete in seiner Oktober 99-Ausgabe dem Brandon-Film und seiner Hauptdarstellerin Hilary Swank die Titelgeschichte.

BOY INTERRUPTED
BY STACEY D'ERASMO
PHOTOGRAPHED BY WALTER CHIN

(Dieser Artikel stammt aus OUT 10/99)

Numerous attempts have been made to tell the "real" Teena Brandon story, a tragic tale of sexual identity, passion, and murder. In "Boys Don't Cry", Hilary Swank, who plays the Midwestern girl who lived as a boy, finally succeeds.

Give me my Romeo; and, when he shall die, Take him and cut him out in little stars.... -Romeo and Juliet

Hilary Swank reaches down and touches the headstone that reads: TEENA R. BRANDON, DECEMBER 12, 1972-DECEMBER 31, 1993. DAUGHTER, SISTER, AND FRIEND. With delicate fingers, she pulls grass away from the marker in the way one would pull back long bangs to look into someone's eyes. "We should have brought flowers," she says. "Everyone else has flowers."

Next to Teena Brandon's grave here in section Z of the Lincoln Memorial Park Cemetery and Mausoleum in Lincoln, Nebraska, is the grave of Patrick Brandon, Teena's father. "Look," Swank points out, "he was 20." Silk roses stand in a vase on the grave of Patrick, who died in a car accident a few months before Teena was born. Now the father and child who never knew each other in life lie together, both dead by age 21.

A cortege passes by. "Remember you asked me last night about the rape scene?" Swank says. "I figured out why it was easy. I had so much fear and anxiety about it, but when we did it, it was so professional, it didn't live up to my fear. It was just make-believe."

We stand somewhat awkwardly by the grave, both sad but unsure what the appropriate gesture would be for the actress currently starring in a film about the person who lies in the grave before her and for the journalist taking notes. A breeze shifts the still air. "I just said a prayer," says Swank, "and that wind picked up right when I was done."

(weiter)


Fotos aus dem Film
Kurzes Glück: Brandon mit seiner Freundin Tisdel
Hilary Swank spielt Brandon
Ahnungslos: Brandons Bekannte ahnen nicht, daß er biologisch gesehen eine Frau ist. Er ahnt nicht, daß sie ihn deswegen umbringen werden.
Mehr über Brandon Teena:
WEB-LINK: http://www.boysdontcry.com
Die offizielle Film-Verleih-Seite (englisch)

WEB-LINK: http://www.spiegel.de/kulturspiegel/nf/0,1518,62172,00.html
Spiegel-Interview mit der Regisseurin Kimberly Pierce

WEB-LINK: http://brandon-guggenheim.org
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Mord

WEB-LINK: http://www.gender.org/remember/
In den USA wurden in den vergangenen Jahren über 100 Transgender-People getötet. Diese Seite erinnert an sie


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