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Kunst:

Ausstellung- und Archivprojekt "1-0-1 intersex" in Berlin

(01. Juli 2005)
Das Ausstellung- und Archivprojekt "1-0-1 intersex" thematisiert die Verletzung der Menschenrechte von Zwittern/ Hermaphroditen/ Intersexuellen: Immer noch werden Kleinkinder, deren Genitalien als "uneindeutig" bezeichnet werden, chirurgisch an Normvorstellungen von männlichen und weiblichen Körpern angepasst. Intersexualitätsdiagnosen werden selbst im Erwachsenenalter regelmäßig verschwiegen. Die gesellschaftliche Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt, die nicht den normativen Erwartungen einer eindeutigen Unterscheidbarkeit nach zwei Geschlechtern entspricht, ist gering. "1-0-1 intersex" fordert zum Weiterdenken quer zum Zwei-Geschlechter-System auf: Ausstellung, Archiv, Veranstaltungsreihe und ein umfangreicher Katalog präsentieren künstlerische Positionen, Erfahrungen und Initiativen intersexueller Menschen, historische, wissenschaftskritische und rechtliche Hintergründe, um eine breite Auseinandersetzung über die Geschlechtergrenzen und den Umgang mit Intersexualität in unserer Gesellschaft anzustoßen.

Die künstlerischen Beiträge der Ausstellung setzen sich kritisch mit den vorherrschenden Darstellungen von Geschlecht als normativer Zweigeschlechtlichkeit auseinander. Angesichts der zentralen Rolle bildgebender Verfahren in der Medizin und Biotechnologie erhalten visuelle Arbeiten, die solche Bildsprachen reflektieren, eine neue politische Brisanz. Das cyberfeministische Kollektiv subRosa - in Kooperation mit James Pei-Mun Tsang - thematisiert mit der 'Aufklärungs'-Show "Yes species" die Auswirkungen der neuen Reproduktionstechniken auf Sexualität und Geschlechterrollen: Ihre Agitation für eine Vervielfältigung "nutzloser" Geschlechter macht einen Strich durch die Rechnung der kapitalistischen Ökonomie des Zwei-Geschlechter-Systems. Das provokative Video "Born Queer - dear doctors" zeigt eine von schwarzen Bildsequenzen unterbrochene Sexszene, zu der die Künstlerin Eli seMbessakwini einen bissigen Liebesbrief an die Ärzte, die sie als Kind kastrierten, einspricht. Ihre Arbeit zielt auf die Rückeroberung der eigenen Sexualität. Ins A Krommingas Installation um den Schriftzug "Zwitter" - aus Spiegelscherben, die die Brüchigkeit geschlechtlicher Identität materialisieren - setzt zu einer Neuschreibung der Zwitter-Geschichte an. Terre Thaemlitz' Beitrag "Lovebomb" nimmt die Bemäntelung gewaltvoller Situationen durch den Begriff der "Liebe" - passend zur Erfahrung vieler intersexueller Menschen mit den "liebevollen" Argumenten ihrer Eltern für chirurgische Geschlechtsanpassungen - in 16 Audio- und Videostücken auseinander. In der Ausstellung werden darüber hinaus Beiträge der Künstler_Innen Roz Mortimer, Tyyne Claudia Pollmann und Del LaGrace Volcano gezeigt.

"1-0-1 intersex" geht der Frage nach, auf welche Weise geschlechtliche Normvorstellungen entstehen, die den alltäglichen Umgang in unserer Gesellschaft regulieren. Das Projekt problematisiert, wie in Abgrenzung gegen Menschen "uneindeutigen Geschlechts" normative Körperkonzepte entwickelt und durch die Unsichtbarmachung körperlicher Vielfalt aufrecht erhalten werden - Verletzungen der körperlichen Integrität und der Würde intersexueller Menschen werden dafür in Kauf genommen. 1-0-1 intersex macht zum Thema, warum Intersexualität uns alle angeht, und lädt dazu ein, über mögliche Veränderungen nachzudenken.
Mehr Informationen unter: www.101intersex.de

Spiegel Online hat zu der Ausstellung eine umfangreiche Reszension veröffentlicht >>>

1-0-1 intersex - Das Zwei-Geschlechtersystem als Menschenrechtsverletzung, 18. Juni - 31. Juli 2005, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin, geöffnet täglich von 12:00 bis 18:30 Uhr.



 
 

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