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Buch-Schnippsel:

Paul Auster: Die Brooklyn Revue

(11. November 2006)
In vielen Romanen kommen mittlerweile Transgender vor. In lockerer Reihenfolge bringen wir nun Auszüge aus diesen Büchern. Den Anfang macht der aktuelle Roman des New Yorker Schriftstellers Paul Auster: Die Brooklyn Revue.

Das Setting: In einem Antiquariat in Brooklyn arbeitet Rufus, ein farbiger Schwuler, der ab und zu als Drag Queen auftritt. Als sein Arbeitgeber und Freund Harry plötzlich stirbt, erscheint er auf dem Begräbnis als seine Bühnenfigur Tina Hott.

Auszug (Seite 256ff deutsche Ausgabe)
"Als er dann endlich kam, dauerte es einige Sekunden, bis wir ihn überhaupt erkannten. Nicht Rufus Sprague hatte sich uns zugesellt, sondern Tina Hott - und die Verwandlung war so radikal, so faszinierend, dass ich hinter mir wahrhaftig jemanden aufstöhnen hörte.

Er war einer der schönsten Frauen, die ich jemals gesehen hatte. Von Kopf bis Fuß wie eine Witwe gekleidet - enges schwarzes Kleid, schwarze Stöckelschuhe, schwarzer Pillboxhut mit einem feinem schwarzem Schleier -, war er zur Inkarnation absoluter Weiblichkeit geworden, zu einer Idee des Weiblichen, die alles übertraf, was im Reich natürlicher Fraulichkeit existierte. Die kastanienbraune Perücke sah aus wie echtes Haar; die Brüste sahen aus wie echte Brüste; und Tinas Beine waren so lang und so herrlich anzuschauen, dass man unmöglich glauben konnte, dass sie einem Mann gehörten.

Aber die Wirkung, die sie hervorrief, beruhte auf mehr als nur Äußerlichkeiten, mehr als nur Kleider, Perücken oder Schminke. Das Weibliche leuchtete auch von innen aus ihr heraus, und Tinas würdevolle Trauerhaltung war die perfekte Verkörperung schmerzbewegter Witwenschaft, der Auftritt einer Schauspielerin von enormem Talent. Während der gesamten Feier sagte sie kein einziges Wort, stand schweigend unter uns, als einige kurze Reden über Harry gesprochen wurden und Tom den Kasten aufmachte und die Asche auf den Boden streute. Damit schien unser Unternehmen beendet, doch ehe wir uns zum Gehen wandten, schob sich ein dicker schwarzer Junge aus dem Gebüsch hervor und trat auf uns zu. Er hielt einen CD-Player in seinem ausgestreckten Armen, den er wie eine Krone auf einem Samtkissen vor sich her trug. Der Junge, der sich später als Rufus' Vetter entpuppte, stellte den Ghettoblaster vor Tina auf den Boden und drückte einen Knopf. Jetzt öffnete Tina den Mund, und als die ersten Takte Qrchestermusik aus den Lautsprechern drangen, bewegte sie die Lippen zu dem nun anhebenden Gesang. Nach wenigen Sekunden erkannte ich die Stimme von Lena Horne, sie sang "Can't Help Lovin' That Man" aus Show Boat. So trat Tina Hott auch bei ihren samstagabendlichen Nachtclubvorstellungen auf: nicht als Sängerin, sondern als Plybacksängerin, die zu den Shownummern und Jazzstandards legendärer Sangeskünstlerinnen die Lippen bewegte. Das war ebenso großartig wie absurd. Lustig und herzzerreissend. Rührend und komisch. Es war alles, was es war, und alles, was es nicht war. Und dann tina, wie sie die Arme bewegte, als schmettere sie tatsächlich dieses Lied. Ihre Miene drückte nichts als Zärtlichkeit und Liebe aus. In ihren Augen standen Tränen, und wir alle verharrten wie gebannt an Ort und Stelle und wussten nicht, ob wir mit ihr weinen oder lachen sollten. Für mich war das einer der seltsamsten, erhabensten Augenblicke meines Lebens."


Paul Auster: Die Brooklyn Revue, Rowohlt Verlag, 2006



 
 

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