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Autor Goethe, Johann Wolfgang
Titel Wilhelm Meisters Lehrjahre
Untertitel -
Ort -
Jahr 1795 / 1806
ISBN 3423124040 (Broschiert, Dtv, 1997)
3150078261 (Broschiert, Reclam)
3895846600 (Hörkassette, DHV)
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Anmerkungen Kultur
Maskeraden der Geschlechter - oder was hatte Goethe mit Transvestismus zu tun?
Von Pia York

Das Thema "Transvestismus" hat Hochkonjuntur! Transvestiten treten in Talkshows auf, machen Werbung für Möbel ("Entdecke die Möglichkei-ten") und werden in Lifstyle-Magazinen abgebildet.

Dabei unterscheiden sich Transvestiten nicht wesentlich von (sogenannten) "Normalos". Sie ver-weisen nur mit mehr Nachdruck darauf, das die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht Maskerade ist. Mit der Kleidung,die gewählt wird, wird das Ge-schlecht zur Maskerade. Aber was hat nun Goethe mit dem Thema "Transvestismus" zu tun? Nun, hier der Versuch einer Antwort: In seinem Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" von 1795/1806 gibt es Transvestiten in Hülle und Fülle. Dabei sei hier nicht die Aufmerksamkeit auf Wilhelm gelenkt, sondern auf Mignon, das Wesen mit dem männlichen Namen, dass Wilhelm bei einer Seiltänzergruppe kennenlernt. Auch nach näherer Betrachtung wurde er sich nicht darüber im klaren, ob er das Geschöpf für einen Knaben oder für ein Mädchen halten sollte. Nach einer Phase der Überlegung entschied er sich für das weibliche Geschlecht. Wilhelm konstruiert sich also seine eigene soziale Wirklichkeit.

An dieser kurzen Passage aus Goethes Werk ist meines Erachtens zu erkennen, inwieweit die Festlegung des Geschlechts auf die Wahrnehmung eigener sozialer Realitäten bzw. "sozialer Konstruktionen" basiert. Mignon ist in kulturelle und soziale Zusammenhänge nicht recht einzuordnen, da sie der festgelgten "Geschlechter-Matrix" nicht entspricht. Es läßt sich nicht recht zuordnen, ob sie männlich oder weiblich ist. Sie überschreitet vielmehr die Grenzen zwischen den Geschlechtern. Sterben muß Mignon, nicht weil sie keine Antwort nach Herkunft und Alter geben kann, sondern auf Grund ihrer nicht eindeutig festlegbaren Geschlechtszugehörigkeit. In der patriarchlen Gesell-schaftsordnung der damaligen Zeit war für sie kein Platz, da ihr Geschlecht nicht eindeutig zu identifizieren war. Die gelebte "Maskerade der Geschlechter" paßte nicht in die gesellschaftlichen Strukturen mit ihren festgelegten Rollen.

Fazit: Mit seinem Werk "Wilhelm Meisters Lehrjahre" zeigt Goethe, dass die geschlechtliche Einordung konstruierbar und nicht von Konstanz ist. Am Beispiel von Mignon wird deutlich, dass das Konstrukt der sozialen Wirklichkeit mit der Be-trachtung der eigenen sozialen Wirk-lichkeit kolli-diert. Das "Spiel der Maskeraden" und die damit verbundenen Widersprüche wurden auch schon zur Zeit Goethes deutlich sichtbar.


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