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Gendernauts

Eine Reise ins Land der neuen Geschlechter

Dokumentation von Monika Treut, WDR, Deutschland 1999, Englisches Original mit deutschen Untertiteln

Ort: San Francisco. Zeit: Ende des 2. Jahrtausends. Das Experiment: Gendernauts, Menschen, die zwischen den Geschlechtern leben. Wie die Astronauten durchs Weltall streifen, die Cybernauten durch die digitale Netzkultur, so kreuzen die Gendernauts durch die vielfältigen Welten der Sexualität. Transgender, irgendwo zwischen männlich und weiblich, möglich gemacht durch Biochemie. Biologische Frauen spritzen das männliche Sexualhormon Testosteron, das Hormon des Hodens, ("Testes"), um den Körper und die Psyche zu vermännlichen. Die Körper werden hormonell transformiert, um etwas neues zu erzeugen: jenseits von Mann oder Frau. Auf die Frage: "Sind Sie ein Mann oder eine Frau?" antworten Gendernauts mit einem verwirrenden "Ja". Sie sind Geschlechter-Nomaden, die sich sexuell nicht mehr eindeutig festlegen lassen. Geschlechtliche Identität wird aufgelöst. Während Transvestiten oder Crossdresser sich nur mit den Zeichen des "anderen" Geschlechts maskieren, geht es bei den Gendernauts um die sexuelle Substanz, der biologische Körper wird zum Objekt der Überschreitung. San Francisco in der Bay Area in Kalifornien ist nicht nur Schaltzentrale des Cyberspace, sondern auch Zentrum der Transgender Kultur, dort gibt es die einzige Klinik der Welt, die kostenlos Sexual-Hormone und medizinische Versorgung für Transgender-Experimente bereitstellt.


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Ein Streifzug durch die Szene der Transsexuellen in San Francisco, der Geschlechtsumwandlungen ebenso thematisiert wie die Lust an einer möglichst breit gefächerten Bandbreite an sexuellen Identitäten. Formal konventioneller Dokumentarfilm, der sich allenfalls beschreibend an vermeintliche Tabus heranwagt, im Zeitalter der täglichen Talkshows jedoch nur offene Türen einrennt.

Wer mit einem Penis zur Welt kommt, muß deshalb nicht unbedingt als Mann durchs Leben gehen, weder psychisch noch physisch. Und "geborenen" Frauen stehen etwaige Variationen natürlich prinzipiell nicht minder offen. Mit dem Phänomen der Transsexualität, vor Jahrzehnten noch ein schillerndes Tabu-Thema, ist selbst die Fan-Gemeinde des täglichen Tele-Talks von "Sabrina" bis "Meiser" einigermaßen vertraut. Daß bei diesen Plauderstündchen mit dem Sujet ebenso fadenscheinig tolerant wie hemmungslos voyeuristisch verfahren wird, versteht sich zynischerweise fast schon von selbst. Vor diesem Hintergrund muß man Monika Treuts "Reise durch die Geschlechter", so der Untertitel ihres Films, ein gänzlich anderes - "seriöseres"? - Interesse attestieren. In San Francisco hat die Filmemacherin einen Streifzug durch die Szene der Transgender unternommen, jener Menschen, die ihr Geschlecht im Lauf ihres Lebens gewechselt haben, aber auch solcher, die sich bewußt weigern, sich zwischen den beiden traditionellen Modellen "Mann" und "Frau" zu entscheiden. An Hand von Gesprächen mit einem knappen Dutzend (vorwiegend lustvoll) "betroffener" Geschlechter-Nomaden fächert der Film die ganze Bandbreite möglicher sexueller Identitäten auf. Wobei Sandy Stone, eine Expertin auf gleich einer ganzen Reihe von Gebieten von der "klassischen" Kulturtheorie über Cyberspace bis zu Geschlechtsumwandlungen, als eine Art Reiseführerin durch das Universum der sexuellen Uneindeutigkeiten fungiert. Doch im wesentlichen beschränkt sich ihre Funktion im Film darauf, in eingeschnittenen Sequenzen, an einem Tisch sitzend, das theoretische Unterfutter für die Statements der einzelnen "Gender" zu liefern. Diese sitzen in ihren Wohnungen oder fahren auch auch schon einmal auf Fahrrädern oder in Cabrios durch die Gegend und erzählen aus ihrem Leben; aus ihrem aktuellen und aus ihrem früheren, das gelegentlich auch noch durch Fotos dokumentiert wird, wobei das alte Sozialisationsmodell aus den Kindertagen der Frauenbewegung ("Man wird nicht als Frau geboren, sondrn dazu gemacht") hier kaum noch eine Rolle spielt. Man gibt sich vorzugsweise lustvoll und singt das Loblied auf San Francisco als Welthauptstadt der Toleranz.

Weil die meisten der Interviewten "irgendwie" mit Medien und Kunst zu tun haben, wird das starre Schema des Interview-Films hin und wieder durch eingeschnittene Sequenzen aus ihren Arbeiten aufgelockert. Darüber hinaus sind mehrfach längere Auschnitte aus dem Bühnenprogramm des "Club Confidential", einem Szene-Mekka, zu sehen, was für Normalsterbliche außerhalb des "Gender-Universums" leidlich unterhaltsam sein dürfte. Wie eigentlich der gesamte Film als solide, wenn auch nicht sonderlich originelle Fernsehreportage daherkommt. Was die Co-Produktion mit dem Kulturkanal arte letztlich auf einer Kinoleinwand soll, bleibt indes zumindest einigermaßen rätselhaft. Der Umstand, daß Monika Treut selbst mit herbem deutschem Akzent den englischen Off-Kommentar spricht, macht die Sache jedenfalls auch nicht plausibler.
Reinhard Lüke

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Das wichtigste an Gendernauts ist wahrscheinlich, daß der Film in San Francisco gedreht wurde. In kei-ner anderen amerikanischen Stadt entstünde ein ähn-lich fröhliches Bild darüber, was an Abweichungen von der Normalität möglich ist - von Repression ist wenig zu spüren. Monika Treut stellt eine Reihe von Leuten vor, die sich irgendwo im Spektrum zwischen männlich und weiblich bewegen. Wie Astronauten im All schweben die Gendernauten durch den Raum der Geschlechter, ohne sich dabei an gängige Grenzvorstellungen zu halten.


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Gendernauts, the latest feature from festival favorite Monica Treut (Seduction: The Cruel Woman, Virgin Machine) examines gender elimination phenomena in the Bay Area at the end of the millennium. As a jumping-off point, Treut uses the female spotted hyena, whose blood contains a large amount of testosterone, to challenge our perception of what is male or female. Then, Sandy Stone, self-proclaimed "goddess of cyberspace," guides us on a journey to a broader understanding of gender and gender roles.
Stone introduces us to: Max Wolf Valerio, a female-to-male transsexual, who examines what it is to be male in his book, "Max, A Man;" Texas Tomboy, a video artist who finds the shifting earth below San Francisco to be a direct parallel to internal shifts of identity; Jordy Jones and Stafford, visual artists and collaborators in the gender-bending playground Club Confidential; and Hida Viloria, an intersex woman who lives between two genders.
Sex goddess Annie Sprinkle and former queen of the night club scene Tornado reflect on their relationships with transgender friends. And Susan Stryker, a tranny historian and male to female transsexual, sums up best what gender has come to in the late 20th century, as she sits with a young boy watching Little Richard, the biggest drag queen in rock n' roll, on "Sesame Street."
- Dennis Conroy