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Dandy Dust

With Von New Electronica zum Transgender-Cyborg

Barbara Pichler 06.04.1999


Dandy Dust

Diese Offenheit anderen Medien und Ausdrucksformen gegenüber, und ein verändertes Bewußtsein in Hinblick auf die Beziehung zwischen Ton und Bild, die im Musik/Video-Programm und in den Austrian Abstracts spürbar wird, ist - vor allem im österreichischen Spielfilm - Mangelware. Die große Ausnahme bildet Hans Scheirls neuer Film DANDY DUST.

Scheirl ist offensichtlich fasziniert vom Medium Film und ebenso offensichtlich entschlossen, sich seinen etablierten "Regeln" nicht einfach zu unterwerfen. Der seit langem im Großbritannien lebende Scheirl, inzwischen als einer der wichtigsten Proponenten des sogenannten cyber-cinemas gefeiert, nimmt sich in seinem letzten Film der Thematik des "transgender Cyborgs" an. Dandy Dust, der/die/das Titelheld/in des Filmes, ist ein persönlichkeitsgespaltener Cyborg von fluidem Geschlecht auf der Suche nach seinem/ihren Selbsten. Der Cyborg liefert eine hervorragende Metapher für die Transparenz der Verbindung zwischen Technischem und Organischem, eines seiner Charakteristika ist die Überschreitung von Grenzen und Kontexten, das Sprengen von (Körper)Konventionen.

Das Sprengen von Konventionen zieht sich durch jede Ebene des Filmes. Dandy Dust bietet dem Publikum auf Grund seiner ungreifbaren Persönlichkeit kaum Identifikationsmöglichkeiten, die traditionelle Semantik und lineare Narration des Kinos wird damit radikal dekonstruiert. Scheirl arbeitet auch mit verschiedensten Aufnahmetechniken und Formaten, mischt animierte Szenen mit Live-Action und greift Einflüsse aus Malerei und Aktionismus, aber auch aus japanischen Manga Comics, Horror- und Splatterfilmen auf. Genretropen werden dabei nicht einfach zitiert, sondern mutieren unter seiner Manipulation zu neuen Gebilden, zu einer individuellen Form der Filmerzählung. Dandy Dust ist inhaltlich, visuell und akustisch eine eindrucksvolle Tour de Force, ein multimediales Ereignis das demonstriert, dass für Abenteuerlustige auch das Format Spielfilm noch genügend Entwicklungsmöglichkeiten und Spielraum bietet.