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Meine beste Feindin

Fernsehkritik aus der Süddeutschen Zeitung vom 12. April 2000

Ententanz in Dänemark
20.15 Uhr, ARD: "Meine beste Feindin" – eine Reise ins Glück

Wahnsinn: Ist das tatsächlich Mariele Millowitsch? Die graue Maus da, mit den ungepflegten Haaren, der lächerlichen Brille und den tiefen Runzeln in der Stirn? Mit diesen plumpen Schuhen und dem miserabel sitzenden Kostüm? Sie ist es. Nicht zu fassen. So stellen sich nämlich Maskenbildner des deutschen Fernsehens die betrogene Witwe in einer Komödie vor. Aber keine Sorge: Nach 50 Minuten und einem Shopping-Rausch in Kopenhagen hat sich die hässliche Ente ins blonde Girl-friend, das wir alle kennen, zurückverwandelt. Und auch ihre beste Feindin, eine Nachtclub-Sängerin (Doris Kunstmann), sieht nach dem Aufenthalt im dänischen Beauty-Salon nicht mehr wie ein ausgeflippter Knallfrosch aus, sondern hat ihr quellendes Doppelherz recht manierlich in einem elegant geschnittenen Kostümjäckchen
verstaut.

Kakeln wie beim Kaffeeklatsch

Komödie, du bist umzingelt: Zwei Schauspielerinnen ziehen – koste es, was es wolle – sämtliche Register, um zu beweisen, dass bei der ARD auch fürs betagte Frauenpublikum noch wilde Herzen schlagen: Doris Kunstmann als Diva und hermaphroditische Zauberfrau mit orgelndem Bass und – angeblich – männlichem Geschlechtsteil unterm ledernen Minirock; Mariele Millowitsch als trauernde Witwe eines Waschsalonbesitzers, die nach dem Tod ihres Ehemanns erfahren muss, dass der das Ersparte in eine dubiose Zauberfrau investiert hat.

Schon nimmt das Verhängnis der gesetzten Damen seinen Lauf: Reeperbahn-Erotik, Rumänen-Mafia, das Leid einer liebeleeren Ehe, Transsexualitäts-Probleme und
eine Frauenfeindschaft, die zur dicken Freundschaft wird. Alles, was aufgeschlossene Matronen heutzutage beim Kaffeeklatsch bekakeln würden, kommt in dieser quietschbunt angestrichenen Klamotte vor (Buch: Kerstin Cantz, Utz Weber, Regie: Utz Weber).

Aber so, wie man beim Kaffeeklatsch nach Lust und Laune durcheinanderquatscht, wird auch hier nach Lust und Laune mit Einfällen jongliert, die mal aus der Krimi-Ecke kommen, mal aus der Sex-Komödie, dann wieder aus dem Road-movie-Genre oder aus dem Gewaltvideo-Archiv – ein munter zischendes Gebräu aus Schwefel, Zucker und Wermutstropfen. „Wenn zwei Frauen wie wir in den Ring steigen, kann es doch nur Gewinner geben“, sagt Doris Kunstmann nach vollzogenem Happy-end zu ihrer Freundin Mariele Millowitsch. Irgendwie schwant einem so was von Anfang an. Und auch der Titel der Komödie lässt ja keinen Zweifel am freundschaftlichen Ausgang der Geschichte. Also bleibt nur eine Frage offen: Warum mussten so viele Register gezogen werden, um eine simple Melodie zu spielen?