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Lola und Bilidikid

BRD 1999
91 min.

Regie und Buch: Kutlug Ataman; 

Ein teenagender Türke namens Murat (Baki Davrak) aus Berlin (zweitgrößte türkische Metropole der Welt) hat hier sein Coming Out. Zwischen der Homophobie seiner Clique und der menschlichen Zuneigung der Drag-Queen Lola (Gandi Mukli). Diese wiederum stellt den einen Teil einer dramatischen Liebesgeschichte mit Bilidikid (Erdal Yildiz) dar.

Tiefer, wohlmeinender Einblick in die türkische Transen- und Stricherszene Berlins.

Der 17-jährige Türke Murat lebt in Berlin zwischen zwei Kulturen. Er leidet unter dem autoritären Charakter seines Bruders Osman, der ihn ständig bedrängt, endlich mit einer Frau zu schlafen. Murat interessiert sich aber eher für seine männlichen Mitschüler. Da aber die Homosexualität in seinem Familienkreis frontal abgelehnt wird, ist er verunsichert. Als er dann erfährt, dass sein älterer Bruder "Lola" wegen seiner Homosexualität von Osman aus dem Elternhaus vertrieben wurde, versucht er, ihn zu finden. Auf seiner Suche nach Lola gerät er in die Schwulenszene und tankt Selbstbewusstsein. Als eines Abends Lola ermordet aufgefunden wird, findet Murat den Mut, nach Hause zurückzukehren. Er fordert Osman heraus, seine Schuld an Lolas Tod zu gestehen...

In seinem dritten Spielfilm zeichnet Kutlug Ataman das Porträt einer Gruppe von krassen Außenseitern, die als Emigranten der zweiten Generation und als Homosexuelle in einem doppelten Exil leben. Ataman nähert sich gefühlvoll den Figuren dieser extravaganten Szene. Mit verschiedenen parallelen Handlungen erstellt Ataman ein breit angelegtes Porträt einer Subkultur, das in keinem Moment auf Oberflächlichkeiten oder Klischees zurückgreift.

Kutlug Ataman gilt als einer der begabtesten jungen Regisseure in der Türkei. Er studierte an der Sorbonne und in Los Angeles. Nachdem er seine ersten Filme in den USA drehte, lebt er heute in Istanbul. Er ist neben seiner Regie- und Autorenarbeit auch als Videokünstler tätig. Ataman war mit seinen letzten Filmen Gast bei zahlreichen internationalen Festivals. "Lola + Bilidikid", eine Koproduktion mit ARTE, ist sein dritter Spielfilm.
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Der 17-jährige Murat (Baki Davrak) lebt wohl behütet bei seiner Mutter und dem älteren Bruder Osman (Hasan Ali Mete), Oberhaupt und Ernährer der Familie. Immer öfter spürt Murat den Drang, dieses Nest zu verlassen und aufzubrechen in die fremde und aufregende Welt der nächtlichen Parks, an die Orte der zufälligen und unkeuschen Berührungen zwischen Männern. Eines Tages begegnet er Lola (Gandi Mukli), seinem verstoßenen und von der Familie verheimlichten älteren Bruder, und kommt damit einem finsteren Familiengeheimnis auf die Spur.

Lola ist heimlicher Star eines türkischen Travestietrios. Mit seinem Bühnenpartnern Shehrazat und Kalipso tritt er im Glitzerfummel in schummrigen Bars auf. Lolas Lover Bili (Erdal Yildiz) dagegen gibt sich, um sich das Schwulsein nicht eingestehen zu müssen, als rauer Lederjackenmacho. Er träumt davon, mit Lola ein ganz normales Leben zu führen, mit einer Strandbar in der Türkei. Zwingende Voraussetzung: Lola müsste sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen.

Der mürrische Iskender (Murat Yilmaz) lernt derweil den adeligen Architekten Friedrich (Mike Gerber) kennen , der sich in den Strichjungen verliebt. Iskender reagiert auf die Zuneigung des gut situierten Mannes verstockt und grob. Für eine Spritztour mit den Freunden an Lolas Geburtstag stiehlt er das edle Oldtimer-Cabrio von Friedrichs Mutter (Inge Keller). Lola nutzt die Gelegenheit zur Aussprache mit Bili. So, wie Bili sich die gemeinsame Zukunft vorstellt, kann es nicht funktionieren, macht ihm Lola unter Tränen klar.

Auf dem Heimweg wird Lola von deutschen Jugendlichen überfallen. In letzter Sekunde kann er sich in ein vorbeikommendes Taxi retten. Doch am nächsten Morgen wartet Murat vergeblich auf Lola. Murat wird seinen Bruder nie wieder sehen - Lola wurde ermordet. Zur Beerdi-gung kommen Lolas Freunde ein letztes Mal zusammen: Sein Tod ist für alle ein Wendepunkt.

Bilidikid glaubt zu wissen, wer Lola auf dem Gewissen hat. Gemeinsam mit Murat stellt er den rechten Schlägern, die Lola verfolgten, eine Falle. Es kommt zum blutigen Showdown, den nur Murat und der blonde Walter (Jan Andres) überleben. Erst nach dem Gemetzel erkennt Murat, dass der wahre Schuldige wieder ungeschoren davongekommen ist...