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TROPFEN AUF HEISSE STEINE

Frankreich, 1999, 90min


REGIE: François Ozon PRODUZENTEN: Oliver Delbosc, Marc Missionier DREHBUCH: François Ozon nach dem Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder DARSTELLER: Bernard Giraudeau, Malik Zidi, Anna Thomson KAMERA: Jeanne Lapoirie PRODUKTIONSDESIGN: Arnaud de Moleron WORLD SALES: Celluloid Dreams VERLEIH: Concorde Filmverleih

Wenn Fassbinder das noch erlebt hätte! Mit 19 Jahren schrieb Rainer Werner Fassbinder dieses kleine Gesellschaftsdrama als Theaterstück, dessen Aufführung, geschweige denn Verfilmung, er nicht erfahren sollte. Der französische Regisseur François Ozon (SITCOM) entdeckte den Stoff und inszenierte daraus einen Film, wie ihn auch der Autor persönlich nicht hätte besser machen können.

Im Jahre 1970, in der erdrückenden Enge einer spießigen deutschen Zweizimmerwohnung zwischen Pril-Blumen und verspiegeltem Schlafzimmerschrank entwickelt sich ein schwules sado-masochistisches Liebesdrama höchster psychologischer Brisanz. Der junge Franz (Malik Zidi) begegnet dem weitaus älteren Versicherungsvertreter Leopold (Bernhard Giraudeau), entflammt und ist schon binnen Tagen sein devoter Haushälter. Trotz Verliebtheit und leidenschaftlichem Sex degeneriert der beruflich frustrierte Dandy zunehmend zum fiesen Psycho-Sadisten und demütigt sein Gespielen nach bekanntem Zuckerbrot-und-Peitsche-Prinzip.

Als schließlich sowohl Leopolds Ex-Geliebte, die Transsexuelle Vera (lasziv-verzweifelt: Anna Thomson) als auch Franz’ naive Verflossene die vermeintliche Idylle sprengen, gerät alles aus den ohnehin wackeligen Fugen. Während
Leopold Franz einmal mehr demütigt und mit beiden Frauen der sexuellen Abwechslung frönt, zerbricht der knabenhafte Träumer vollends.

Die ausgeprägten Persönlichkeiten des vielschichtigen Kammerspiels bildeten bereits in der frühen Schaffensphase Fassbinders die Grundlage für viele seiner späteren Filmcharaktere. Kaum zu glauben, dass dieses kleine Meisterwerk so lange vergessen war und auch als Theaterstück bis vor kurzem nie aufgeführt wurde. Umso erfreulicher, dass sich Ozon des Stoffes auf solch vortreffliche Weise annahm, und auf der Berlinale dafür den Teddy für den Besten Spielfilm gewann. Ein eindringlicher, sehr ironischer und intelligenter Film zum Festivalauftakt.