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Interviews, Berichte & Meinungen
Ich habe eine Multi-Identität

Ein Diskussionsbeitrag von Susanna

Babylonische Sprachverwirrung hilft uns sicher nicht weiter. Für die Identität der "Einzelnen" ist ein Bewußtsein erforderlich : Wer bin ich !

Eine Feststellung vorangestellt! Außerhalb Europas und in jeder anderen Kultur sind Transgender akzeptiert und Teilweise hoch geachtet ! Das gilt Insonderheit für die indianischen Völker Nord- und Südamerikas. Die in heute meist kleinen Stämmen, auf das Erscheinen eines Transgenders sehr erfurchtsvoll reagieren. Nicht selten erhalten diese Transgender die hohe Stellung des "Medizinmannes" des Stammes.

In den asiatischen Kulturen sind seit Jahrhunderten Transgender in den Philosophien und Relegionen ausdrücklich und erfurchtsvoll erwähnt. So gehören Transgender in Thailand zum akzeptierten Alltagsbild in den Städten. Innerhalb der Familien werden Transgenderveranlagungen mit viel Optimismus gefördert. Etliche asiatische Religionen kennen mehrere hundert Identitäten innerhalb einer Transgenderpersönlichkeit.

Das eben gesagte für uns mittelbar zum Begriff Multiidentität. Nach meiner Erfahrung, möchte ich nicht in einem Wirrwar von Begriffen untergehen. Ich bin nicht etwa Transvestit oder Damenwäscheträger, Fetischist, Transgender,Transsexuell, Drag Queen. Diese Begriffe beschreiben mögliche Facetten, aber ganz sicher nicht mich.

Ich bin eine Multiidentität, zur einen Hälfte Mann, womit ich ganz sicher kein geschlechtliches Problem habe. Zur anderen Hälfte Frau, gut möglich, daß mir diese Hälfte besser gefällt. Diese Multiidentität beinhaltet keine shizophrene oder sonstig gespaltene Persönlichkeit, sondern die Biographie eines Mannes und die mögliche Biographie einer Frau. Ich fühle mich nur an dieser Stelle beeinträchtigt und hilflos krank, weil es diese Gesellschaft nicht zuläßt, daß ein geschlechtlicher Mann, eine tatsächliche Lebensgestaltung als Frau führen kann.

Letztlich ist es, soweit wir nicht Transsexuell sind, sondern als "Frau mit Schwanz" uns als Transgender verstehen, wir alle haben ein Bild von einer Frau im Kopf. Dieses Bild wollen wir mit Leben füllen, das zwingt uns ins Coming Out. Nichts aber auch rein gar nichts sonst. Für diesen Teil der Transgender kann man Gemeinsamkeiten beschreiben: Im Outfit sind wir unbeherrscht, weil noch jeder Fummel gefallen findet. Aber wir bevorzugen Hihg Heels so hoch wie nur irgendmöglich. Natürlich müssen es Stilettos sein. Enge und sehr kurze Miniröcke und Kleider sind ein muß in jedem Kleiderschrank. Natürlich ist Schminke weniger ein Muß, als der Punkt auf dem i ! Und wir wollen glaubhaft als Frau durch die Straßen wandern. Noch die kleinste Anerkennung und die kleinste Irritation verschaffen uns einen wohligen Schauer der Gefühle, den wir nicht vermissen wollen .

Und wir brauchen, suchen und wollen die Hilfe unserer Konkurentinnen der Schönheit, die Unterstützung einer natürlichen Frau. Das kann die Freundin sein, die Ehefrau oder und das ist nicht so selten wie man glauben will, die Hilfe einer Domina, damit wir tageslichttauglich als Frau nach draußen gehen können.

Das ist der Rahmen in dem wir alle uns bewegen, Transsexuelle nicht ausgeschlossen. Aber für jene unter uns, die Transsexuell sind bestehen weitergehende Probleme.

In Abhängigkeit zum Alter, wird ein Transgender sich mal leichter, mal schwerer tun mit dem eigenen Coming Out. Kausal ist, je jünger der Transgender je leichter das Coming Out. Je Älter, je schwieriger wird sich die Lady tun. Entscheidend ist aber nur die Erkenntnis: Bist Du Transgender, dann bist Du es ein lebenlang. Alle Versuche des Abbruchs eines Coming Out enden regelmäßig mit dem selben Ergebnis, der Beginn des nächsten Coming Outs. Jeder Versuch den einmal erworbenen Kleiderschrank zu entsorgen führen immer wieder zum gleichen Ergebnis, Du beginnst von vorn mit dem Shopping.

Transgender ist eine tatsächliche und natürliche Lebensform, Transgender sind das 3.Geschlecht. Ein natürlicher Mann kann seine Psyche zeitlebens nicht ändern. Eine natürliche Frau kann das auch nicht. Für Männer gilt, einen Rock anzuziehen ändert nichts an der männlichen Identität. Für Frauen ändert sich auch nichts, wenn sie eine Hose anziehen. Wir Transgender können die Geschlechtergrenzen überschreiten, wir können in beiden Welten Leben. Denn es ist nuneinmal so, daß es eine Welt der Männer gibt und eine Welt der Frauen. Den selben Gegenstand betrachten und beschreiben Männer anders als Frauen. Transgender beschreiben den genannten Gegenstand wiederrum etwas anders.

Das eigentliche Problem ist eine durch nichts zu begründende Codierung durch Kleidung. Zwei Beispiele: Jeder kennt die öffentlichen Toiletten Türen. Jeweils gekennzeichnet mit eine Figur in Hose und einer Figur im Rock ! Warum geht eine Frau in Hose durch die Tür im Rock ?

Weniger bekannt ist, daß Babykleidung für Buben hellblau ist, jene für Mädchen aber rosa. Bis zum Beginn des 2.Weltkrieges war die Farbe für Buben rosa und die für Mädchen war hellblau ! Die Umcodierung ist eine Folge des 2.Weltkrieges, da in den KZ´s des dritten Reiches Homosexuelle mit einem Rosadreieck farblich gekennzeichnet wurden. Seither besteht das Vorurteil, Rosa = Homosexuell, Transgender = Homosexuell. Tatsache aber ist, 90% aller Transvestiten sind Hetero orientiert.

Ich weiß das alles, denn mir ist nun schon seit 23 Jahren bewußt, daß ich Transgender bin. Alle Versuche diesen "Zustand" zu ändern und zu leben,als was ich geschlechtlich geboren bin, sind immer wieder gescheitert. Meine Veranlagung führte mich immer wieder in Nylons und High Heels und Rock.

Heute bin ich 43 Jahre und meinem eigenen Bild von einer Frau im Kopf immer noch begeistert, aber in der Realität ferner als in all den Jahren zuvor. Wenn da draußen ein Transgender ist, dann soll er so früh als irgendmöglich seiner Veranlagung folgen, ins Outfit gehen und seiner Frau im Kopf die Biographie ermöglichen, die dieser Frau Kraft Naturrecht zusteht. Auf gut hessich : Dummes Gebabbel hat man schnell, aber das eigene seelische Wohlbefinden nicht. Also Mädels, stürzt Euch ins Outfit und lebt damit, jeden Tag den ihr Euch selbst möglich machen könnt. Je länger ihr selbst zweifelt, je schwieriger wird es werden. Hört nicht auf die Zweifel, hört auf Euer Herz.

Gruß
Susanna