IMPRESSUM I KONTAKT I ARCHIV

Leute I Bücher I Filme I Musik I Leben I Prominente I Beauty I Medizin I Recht &Politik I Einkaufen I Ausgehen I Gruppen



Vielen Dank an Aleksandra für diesen ausführlichen Bericht. Wir würden uns freuen, wenn auch andere uns ihre Erfahrungen schicken würden. Bitte eMail an Kerstin@transgender-net.de. Danke!

OP Bericht GA OP MzF im MarkusKH in Frankfurt von Aleksandra


Freitag, 24. Mai 2002:
Gegen 7.30 Uhr Aufbruch von Bochum nach Frankfurt. Zwischendurch noch eine ausgiebige Frühstücksrast. Ankunft St. Markus Krankenhaus gegen 11 Uhr. Wie in meinem „Frachtpapieren“ vorgeschrieben, melde ich mich auf Station 14, 6ter Stock. Mein erster Eindruck von der Station war nicht sonderlich positiv: unmodernisiert und irgendwie schmuddelig, gar nicht so, wie ich Krankenhäuser in Erinnerung habe. Eine Schwester teilt mir mit, ich sei hier falsch, ich müßte auf Station 7 in den 4ten Stock. Dort angekommen, stieg meine Laune: alles schön modernisiert und mit einem Hauch von Exklusivität. Nachdem ich mich dort gemeldet habe, mußte ich erst mal im Wartezimmer Platz nehmen. Nach ca. 10 Minuten warten teilte man mir mit, ich sei dort falsch und müßte auf die Station 14, 6ter Stock. Ich sagte, ich kenne den Weg und kam mir ein wenig veräppelt vor. Dort wieder angekommen, verabschiedeten sich erstmal meine Eltern. Meine Mutter war für eine Woche in einer Pension in Eschborn untergekommen und dorthin brachte sie nun mein Papa. Nach ihrem Einzug wollten sie wiederkommen. Kurze Verabschiedung. Ich wurde nun zur Patientenanmeldung ins Erdgeschoß geschickt. Im Wartezimmer mußte ich eine Wartenummer ziehen, Nr. 36. Vor mir warteten zwei weitere Patienten. Alle paar Minuten kam jemand anderes vorbei und fragte, ob wir auf die Aufnahme warten würden. Worauf denn sonst ?????

Bald war ich an der Reihe, mußte jede Menge Vereinbarungen und Abtretungen unterschreiben und wurde wieder auf die Station geschickt. Inzwischen war für mich ein Bett frei gemacht worden. Ich war gespannt, ob in meinem Zimmer weitere T’s untergebracht waren, schließlich hatte ich meine Mama schon entsprechend vorgewarnt. Oh Graus! Ich wurde in einem 4 Bett-Zimmer untergebracht mit lauter Omis. Wo mir doch eigentlich ein 2 Bett-Zimmer zusteht! Naja, egal, erstmal meine Sachen verstaut und die Toilette getestet. Oh Graus! Wieder aufs Bett gelegt und schon kam der Stationsarzt zur Aufnahmeuntersuchung. Ultraschall, Blutabnahme und „Maßnehmen“. Dann fragte mich der Arzt nach meinen OP-Gutachten. Die hatte ich schon im Januar losgeschickt, denn ohne Gutachten keinen OP-Termin. Der Arzt suchte in meiner Patientenmappe. Er hatte sich in seiner Suche auf die Buchstabenfolge „OP-Gutachten“ konzentriert, und so konnte er die Überschriften „OP-Indikation“ natürlich nicht finden. Schließlich bemängelte er die medizinische OP-Indikation meines Gynäkologen, der könne sowas ja gar nicht indizieren. Eine endgültige Anerkennung wollte er jedoch vom „Chef“ abhängig machen, die gab es jedoch bereits schon, denn ohne OP-Indikation kein Termin! Unter Vorbehalt wollte er mich trotzdem für die Operation am Montag vorbereiten. Danach kam das Einwilligungsgespräch. Mir wurden nochmals alle Risiken detailliert erklärt. Ich willigte natürlich ein, aber ich hatte auch eine Bedingung: Ich wollte meine nunmehr nutzlosen Teile mit nach Hause nehmen. Auf die Frage warum, antwortete ich, die Teile befänden sich schließlich noch in einem guten Zustand und waren schließlich 32 Jahre Teil meines Lebens, außerdem bekäme ich beim Zahnarzt auch meine gezogenen Zähne mit nach Hause. Die Hoden kämen doch normalerweise bloß in die Pathologie, damit ein paar Medizinstudenten nach der Sezierung zu dem Ergebnis kämen, es handele sich um Hoden! Na toll! Danach käme alles achtlos in die Müllverbrennung und genau das wollte ich verhindern. Er willigte ein. Außerdem sagte der Arzt, ich sei ja in dem Vierbett-Zimmer falsch untergebracht, eine Verlegung in ein Zweibett-Zimmer hätte er bereits veranlaßt. Nach dem Gespräch freute ich mich schon auf meinen Umzug. Den hatte aber inzwischen schon meine zurückgekehrten Eltern erledigt. Ein Zweibett-Zimmer für mich alleine, Südseite, Balkon, Blick auf die Hochhäuser von Frankfurt. Meine Laune stieg. Schon stand wieder eine Schwester oder sowas in meinem Zimmer, drückte mir einen grünen Zettel in die Hand und schickte mich zum EKG.

Hier nun eine Anmerkung zur Pflegehierarchie: Bekannt waren mir die Berufsbezeichnungen Krankenschwester, Krankenpfleger, Krankenschwesterschülerin und Krankenpflegerschüler. Im St. Markus gibt es aber noch eine Menge anderer Bezeichnungen wie: Aushilfe, Krankenpflegehelferin, Pflegehelfer, usw. Ich wußte gar nicht, wie ich alle diese Leute ansprechen sollte! Kaum war die Schwester oder Hilfsschwester oder was auch immer weg, (fortan benutze ich den Begriff „Dienstleistende“ bzw, „Dienstleistender“ für diesen Personenkreis) kam auch schon der Narkosearzt. Ein großer, weißhaariger Mann mit morbidem Charme und unausprechlichem Namen aus den Osteuropäischen Weiten. In kaum verständlichem Deutsch erklärte er mir die Narkoserisiken und füllte einen Bogen aus, um danach festzustellen, daß er für mich gar nicht zuständig sei. Ich sei „Narkose-Chefsache“. Schon war er wieder verschwunden, gab jedoch der Dienstleistenden von vorhin die Klinke in die Hand. Sie brachte mir mein Mittagessen und trug meine Essenswünsche für den nächsten Tag mit einem schreibstiftähnlichem Stäbchen in einen Miniatur-Computer ein. Danach schimpfte sie mit mir, warum ich denn nicht zum EKG gegangen sei, da sei jetzt Mittagspause. Nun verabschiedeten sich meine Eltern. Mein Papa brachte meine Mama in ihre Unterkunft, um danach nach Bochum zurück zu fahren. Ich legte mich auf mein Bett, um endlich meinen „Gelben Katalog“ zu lesen. Kaum die erste Seite aufgeschlagen, wurde ich wieder zum EKG geschickt. Mittagspause beendet. Die Dienstleistende dort war fünf Minuten damit beschäftigt, die Elektroden an mir zu befestigen. Die EKG-Messung dauerte zehn Sekunden, das Entfernen der Elektroden zwei weitere Minuten. Irgendwie merkwürdig, hat aber 22,57 Euro gekostet. Zurück auf meinem Zimmer, hielten die Dienstleistenden mich wieder auf Trab. Ab ins Labor zur Blutgruppenbestimmung. Wieder so eine zehn Sekunden Aktion mit hohem Anreiseaufwand. Bei dieser Gelegenheit ging ich zur Pforte und meldete mein Telefon an (10 Euro Pfand für die Chip-Karte, 2 Euro Bereitstellungsgebühr pro Tag, 15 Cent eine Einheit) und erwarb für drei Euro einen Kopfhörer, um den kostenfreien Fernsehempfang auch hören zu können. Danach hatte ich endlich Feierabend! Gegen Abend spürte ich dann die Schattenseiten meiner Zimmereinsamkeit. Brutale Gedanken beschäftigten mich. Es ging dabei nicht um ein „Ja“ oder „Nein“ zur OP, es ging um „warum ich“, es ging um mein Schicksal. Eine tränenreiche, einsame Nacht folgte.

Samstag, 25. Mai 2002:
Gegen acht Uhr wurde ich von Dienstleistenden geweckt und das Frühstück wurde mir gebracht. Ein Weizenbrötchen und ein Roggenbrötchen mit diversen Belagsmöglichkeiten. Nachdem ich die zähen Brötchen mit dem stumpfen Messer (Selbstmordgefahr!) geöffnet bekam, entschied ich mich, die Portionsdose mit dem „schmackhaften Brotaufstrich“ auszuprobieren. In der Tat hat es geschmeckt, ich wußte bloß nicht wonach eigentlich. Dies war übrigens meine letzte feste Mahlzeit vor der OP. Ich war vom Frühstücken müde und legte mich wieder ins Bett. Im Laufe des späten Vormittags kam dann meine Mama. Bei ihr konnte ich mich dann nochmal ausheulen. Schon bald gab es Mittagessen, meine letzte Mahlzeit: Drei verschiedene Suppen! Wir wollten nicht den ganzen Tag im Krankenhaus abhängen, ich brauchte Ablenkung. So sind wir in die Frankfurter Innenstadt zum Bummeln gefahren.

Am Nachmittag kehrten wir zurück. Auf meinem Nachttisch wartete bereits der erste Liter Abführflüßigkeit auf mich. Mit diesem Zeug habe ich zwanzigjährige Abführerfahrung (wg. Darmerkrankung) und weiß deshalb: mein Magen verträgt das nicht! In den vorangegangenen Fällen hieß es immer „Bei uns schmeckt das aber vieeel besser, wird mischen das mit Apfelsaft, Orangensaft, usw.“ Diese Täuschungsmanöver funktionierten bei mir bloß nie... Mal probieren, wie’s hier schmeckt. Wider Erwarten schmeckte es diesmal tatsächlich, ein wenig nach Gelusil-Lac, einem Magenberuhigungsmittel. Dies war übrigens meine größte Angst vor der OP, sie war mir nun genommen und ich konnte entspannt der Dinge harren, die da auf mich zu kommen. Am späten Nachmittag verließ mich dann meine Mama, ich war ja seelisch doppelt gestärkt. Am Abend bzw. bis in die Nacht dann die Übertragung des „Grand Prix Eurovision de la chanson“ mit stundenlangen Iris-Telefonaten zwischendurch. Gut geschlafen.

Sonntag, 26. Mai 2002:
Fast wie Samstag, Mama war da, Autorennen geguckt, Abführzeug getrunken und wieder abgelassen. Nachdem meine Mama wieder gegangen war, suchte ich das Stationsbadezimmer auf für eine letzte, rituelle Dusche. Nachdem ich die Duschecke von allerhand Rollstühlen befreit hatte und die Duschapparatur in Funktion setzte (vier Armaturen zur Wasser- und Temperaturregelung!), genoß ich das rauschende Wasser auf den dem Untergang geweihten Teilen. Zur besseren Nachtruhe war mir eine Schlaftablette versprochen worden. Prima, legale Drogen! Leider wirkte die Pille nicht so, wie ich es erwartet habe, aber morgen sollte es ja härteren Stoff geben!. Wieder gut geschlafen!

Montag, 27. Mai 2002:
Das Wecken fand bereits um 7 Uhr statt, man hatte ja schließlich einiges mit mir vor! Die Oberdienstleistende zitierte mich ins Badezimmer, um mich untenrum zu rasieren. Danach sah das ganze irgendwie würdelos aus, es sollte aber schließlich auch weg. Im Zimmer zog ich dann die Thrombosestrümpfe, das OP-Höschen und das OP-Hemd an. Meine Haarpracht versteckte ich unter einer OP-Haarhaube. Rituell leitete ich die nächste Phase ein, das Schlucken der Beruhigungspille, nach deren Verzehr das Verlassen des Bettes untersagt ist. War mir aber egal. Irgendwie war mir auf einmal alles egal! Tolle Pille!

Irgendwann stand der „Rennfahrer“ in der Tür, ein Dienstleistender, der den ganzen Tag damit beschäftigt wird, mit Patienten befüllte Betten durch das Krankenhaus zu schieben. Er schob mich durch den Stationsflur zum Materialaufzug, aber das war mir egal. Im Erdgeschoß befinden sich die Operationssäle, meinetwegen hätten sie aber auch auf dem Dach sein können, so egal war mir das. Wie eine Portion Mittagessen wurde ich durch eine Schleuse in der Wand gereicht. OP-Bereich! Hier war alles steril, sogar der Humor der Dienstleistenden. Im OP-Vorbereitungssaal machten sich zwei Narkoseaärzte auf die Suche nach einer geeigneten Vene. Das war mir nun überhaupt nicht mehr egal! Sie suchten nämlich an meinem linken Arm, wo sich meine Zucht-Vene doch am rechten Arm befindet. Energisch machte ich sie auf die Erfolglosigkeit ihres Tuns aufmerksam und verwies nach rechts. Sie waren begeistert! Endlich wieder eine Narkose, zum Preis von 647,82 Euro. Dieses Narkosegefühl empfinde ich großartig. Bei fast vollständigem Bewußtsein wird man in Sekunden eingeschläfert! Einfach irre! Diesmal gab es eine Dreikomponenten Narkose, erst eine Flüssigkeit, dann noch eine, dann die letzte und – schwupps – ausgeknipst! Sekunden später bin ich im Aufwachraum ins Leben zurückgekehrt, einmal prüfend unter die Decke gefaßt, Okay, Verband ist dran, also ist auch der Schwanz ab! Der rennfahrende Dienstleistende hat mich bald darauf wieder auf mein Zimmer geschoben, wo mich meine Mama bereits erwartete. Meine Sinne waren erstaunlich beeinander. Topfit, zumindest so quasi! Zwischendurch immer mal ein Nickerchen, ein bißchen gelesen (was eigentlich?) und telefoniert (mit wem eigentlich?) Irgendwann war die Mama weg (war sie eigentlich da?) und ich habe gut geschlafen.

Dienstag, 28. Mai 2002:
Von Dienstleistenden geweckt und gewaschen worden. Danach wurde mir mein Frühstück serviert, wieder zwei zähe Brötchen und ein stumpfes Messer. Das Aufschneiden der Brötchen gestaltete sich nun noch schwieriger, da sich das Tablett nur ca. 10 Zentimeter vor meinem aufgerichteten Oberkörper befand. Irgendwann kam meine Mama. Auch das zweite Bett wurde nun belegt: Michaela aus Lauchringen, wo ich mit meinen Großeltern früher immer im Urlaub war! Michaela sollte am Mittwoch operiert werden, bei der Aufnahme teilte man ihr jedoch mit, wegen eines Notfalles käme sie erst Freitag auf den Tisch. Der „Notfall“ entpuppte sich später als GA-OP! Irgendwie haben wir uns alle angefreundet und da Michaelas GA-OP schon ein Jahr her war, konnte sie mir viele wichtige Tips geben und Ängste nehmen. Noch während Michaela und ich das kredenzte Mittagessen verzehrten, betrat ein Arzt unser Zimmer und brachte mir meine Klöten. Irgendwie war ihm die Situation peinlich, aber ich war froh, daß man sich an diese Vereinbarung gehalten hat. Gut geschlafen.

Mittwoch, 29. Mai 2002:
Von einer monströsen Dienstleistenden geweckt und gewaschen worden. Danach das schon bekannte Frühstücksproblem. Michaela nörgelte den ganzen Tag rum, weil sie nichts zu tun hatte. Außerdem bekam sie kein Wunschessen, aber das lag daran, daß sie immer dann, wenn die Dienstleistende mit ihrem Taschencomputer kam, um Wünsche zu registrieren, weg war!

Irgendwann gab es Aktion: Ein Arzt kam zum ersten Verbandswechsel. Nachdem ich ausgewickelt war, konnten meine Mama und ich erstmals das Ergebnis sehen: Während alle ob der medizinischen Leistung begeistert waren, sah ich nur dunkelblaue, geschwollene Hautlappen. Das sollte meine M sein? Sorgfältig reinigte der Arzt den Wundbereich. Plötzlich ein Gefühl, wo ich am liebsten unter die Decke gesprungen wäre. Es funktioniert! Genauso sorgfältig wurde ich wieder verpackt. Überhaupt die Sorgfalt: Der verbandswechselnde Arzt hat während seines Tuns mindestens fünfmal die Einmalhandschuhe gewechselt. Irgendwie war ich zufrieden.

Nachmittags war dann mein intravenöser Zugang im rechten Armgelenk kaputt. Die Kanüle mußte gezogen werden, da ich jedoch weiterhin Medikamente über die Blutbahn verabreicht bekommen sollte, mußte ein neuer Zugang gefunden werden. Ein Arzt kam und suchte vergeblich an meinem linken Arm nach einer geeigneten Blutbahn. Er prökelte erfolglos mit der Nadel in der Haut herum, aber er wollte ja nicht auf mich hören! Schließlich fand der Goldgräber an meiner rechten Hand eine verborgene Vene. Problem gelöst. Abends bereitete mir dieser Zugang Schmerzen. Ich klingelte nach der Nachtdienstleistenden und schilderte mein Problem. Sie sagte mir, daß sie die Kanüle sofort ziehen könne, dann müsse jedoch ein neuer Zugang gelegt werden. Möglicherweise wäre dieser Zugang morgen aber sowieso schon wieder überflüssig, vielleicht bekäme ich dann schon wieder Pillen. Ich entschloß mich, den Schmerz zu erdulden. Irgendwie fand ich eine Lage, in der kein Schmerz zu spüren war. Ca. zwei Stunden später machte mich Michaela auf meine Hand aufmerksam: Die Infusionsflüssigkeit gelangte nicht in die Blutbahn, sondern unter das Hautgewebe. Die Hand sah aus wie ein Tennisball! Übrigens völlig schmerzfrei! Also kam wieder die Dienstleistende vom Dienst. Sie zog die Kanüle und noch einen Tag später floß das teure Antibiotika aus der von der Nadel verursachten Hautöffnung. Mit der Dienstleistenden führten wir ein längeres Gespräch, über die Station, die Patienten usw. Hier ist alles T*verseucht! Sogar sie ist mit einem Transmann zusammen! Nach der Bestellung von zwei leicht abhängig machenden Schlaftabletten und deren zelebrierter Einnahme haben wir gut geschlafen.

Donnerstag, 30. Mai 2002, Feiertag:
Feiertagsstimmung auch im Krankenhaus. Den ganzen Tag Langeweile geschoben, Michaela bekam zur OP-Vorbereitung nichts mehr zu essen. Abends ein wenig Abwechslung. Ich verspürte Harndrang, aber ich wußte das dies eigentlich nicht möglich sein konnte. Schließlich war ich über einen Cystofix-Katheter mit einem Drainagesystem verbunden. Der Harndrang wurde größer und ich klingelte nach Hilfe. Es war bloß der Katheter verstopft. Für uns beide Schlaf bestellt.

Freitag, 31. Mai:
Heute sollte ich zum ersten Mal „aufgelegt“ werden, mein erster Besuch auf dem gynäkologischem Stuhl stand mir bevor, irgenwann am Nachmittag. Gegen 11 Uhr sollte Michaela operiert werden. Um 9 Uhr standen zwei russische Reinigungsdienstleistende im Zimmer. Bevor sie ihre Tätigkeit aufnahmen, führten sie zehn Minuten Palaver, lautstark und natürlich auf russisch! Ich kam mir vor, wie in einem schlechten Film, denn ich wollte eigentlich noch ein kleines Nickerchen machen. Um halb elf wurde ich mit meinem Bett zum „Auflegen“ abgeholt. Im Behandlungsraum angekommen, mußte ich mein Bett verlassen und auf den Stuhl krabbeln. Der Verband wurde entfernt und das OP-Ergebnis begutachtet. Große Zufriedenheit beim Arzt und bei mir. Dann wurde der Vaginaldilatator aus seiner Höhle entfernt. Ich fragte noch, ob das weh tue, doch da war er schon draußen. Die Wunde wurde gereinigt und die zwei Wundwasserdrainagen wurden mit einem leichten Unterdruckgefühl aus der Bauchdecke gezogen. Danach wurde mir das Bougieren erklärt. Außerdem wurde meine strenge Bettruhe aufgehoben. Ich wurde wieder auf die Station geschoben. Dort wurde gerade Michaela zur OP abgeholt. Von meiner nun nicht mehr vorhandenen Bettruhe machte ich nur zögerlich Gebrauch, zu bequem war doch mein elektrisches Bett. Der Rest des Tages war langweilig. Gut geschlafen, dank Pille.

Samstag, 1. Juni:
Gegen Mittag kamen Mama und Papa vorbei. Mein Papa holte meine Mama zurück nach Bochum, ließ mir aber jede Menge Zeitschriften da. Gegen Nachmittag habe ich mit Michaela zusammen den ersten Spaziergang im Krankenhauspark gemacht. Hat gut funktioniert! Obwohl mich dieser Ausflug sehr müde gemacht hatte, auf meine Schlafdrogen wollte ich nicht verzichten. Michaela schaute irritiert zu, wie ich die Pille mit einem Mörser zerkleinerte. Eigentlich wollte ich sie rauchen, aber Michaela überzeugte mich, dies nicht zu tun. Ein paar Tage im Krankenhaus und schon werde ich irre! Mit dem Gedanken an rauchende Pillen eingeschlafen.

Sonntag, 2. Juni:
Heute sollte Michaela Besuch bekommen, ansonsten war der Tag seeehr langweilig. Abends wollte ich den Tatort gucken, wurde aber durch ein zweistündiges Telefonat mit dem linksrheinischen Ruhrgebiet daran gehindert. Gut eingeschlafen.

Montag, 3. Juni:
Die neue Woche begann mit einer Hiobsbotschaft vor dem Frühstück: Wir sollten getrennt werden! Unser Zweibettzimmer wurde anders gebraucht. So wurde Michaela auf ein Fünfbettzimmer abgeschoben. Ich befürchtete für mich schon ähnliches, aber der Patient aus dem Einzelzimmer war in der letzten Nacht gestorben, so das ich sein Zimmer übernahm! Nach dem Frühstück begann der Umzug. Am Vormittag drohte der Moment, vor dem ich am meisten Angst hatte: Die Freilegung der Harnröhre. Aber Prof. Sohn war einfach zu routiniert, um Schmerzen zu verursachen. Ab nun kann ich wieder auf die Toilette, aber nun irgendwie anders. Gegen Nachmittag besuchte ich Michaela. Wahnsinn! Ein Fünfbettzimmer mit einer Bio-Omi und vier Transfrauen. Die arme Omi... Wenigstens brauchte ich mir um Michaela keine Sorgen zu machen. Am frühen Abend verspürte ich Harndrang, ging aufs Klo und nichts passierte. So ging das zweimal, beim dritten Mal hat es dann aber funktioniert. Auf diesen Erfolg haben Michaela und ich erstmal ein Viertele Wein getrunken. Deswegen habe ich auch gut geschlafen.

Dienstag, 4. Juni:
Ein ganz normal langweiliger Tag im Krankenhaus. Ich machte Druck, daß ich auch wirklich am Mittwoch entlassen werde. Mittags haben wir dann die neueröffnete Cafeteria getestet. Cocktails und Essen für umsonst! Gegen Nachmittag dann die folgende Situation: Ich lag auf meinem Bett und döste vor mich hin, war glücklich und zufrieden. Plötzlich flog die Tür auf und ein homosexuell wirkender Dienstleistender riß mich aus dem Halbschlaf mit folgenden Worten: „Hallo, ich bin der Michael (oder wieauchimmer) und bin heute Nachmittag für Sie zuständig.“ Ja, Super, was sollte diese Aktion? Mich wegen so einer Null-Information aus meinem Dös-Zustand zu reißen, war eine Frechheit! Jetzt, wo ich ja schon mal wach war, ging ich in den zehn Minuten entfernten Supermarkt, um für den Abend eine gute Flasche Rotwein zu kaufen. Schließlich sollte es mein Abschiedsabend werden und außerdem bin ich es gewohnt in meinen Geburtstag hinein zu feiern! Das taten Michaela und ich dann auch. Wie gut, daß die Nachtdienstleistenden uns heute nicht besuchten...

Mittwoch, 5. Juni:
Mein Geburtstag und keiner gratuliert mir... Gegen halb neun rief mich meine Mama an um mir zu gratulieren und um mir mitzuteilen, daß der Papa schon auf dem Weg sei mich abzuholen. Ich fing an zu rechnen: Wenn er jetzt schon unterwegs ist, dann ist er um elf Uhr hier, bei mir müssen aber noch die Fäden und der Katheter gezogen werden, und das im Laufe des Nachmittags. Also ist er viel zu früh hier. Kaum hatte ich den Gedanken beendet, wurde ich in die Urologie im zweiten Stock zitiert. Zum Fädenziehen! Ich verspürte Harndrang, aber es kam nichts. Unten angekommen, kletterte ich topfit auf den Stuhl. Das Fädenziehen sollte eigentlich zwicken. Dann war der Bauchdeckenkatheter an der Reihe. Schwupp, war er draußen. Da meine Blase voll war, sprudelte es wie ein Geysir aus dem Loch, welches der Katheter verursacht hat! Lustiges Gefühl, so befreiend und so warm! Danach wurden mir noch ein paar Ratschläge gegeben und das wars dann. Ich ging wieder in mein Isolierzimmer und packte meine Sachen. Danach machte ich mich auf den Weg, mir das Pfand für die Telefonkarte erstatten zu lassen. Kaum war ich an dem Automaten in der Eingangshalle angekommen, lief mir auch schon mein Papa über den Weg. Jetzt aber ab nach Hause! Aber erst noch Michaela verabschieden!

Donnerstag, 6. Juni – Epilog:
Gegen Abend bin ich dann nach Oberhausen zu unserem Trans-Stammtisch gefahren. Ob ich nun vier Stunden zu Hause sitze oder in einer Kneipe, wo ist der Unterschied? Die haben geguckt, als sei ich eine Fata Morgana!

elitetranse@web.de