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Vielen Dank an Andrea für diesen ausführlichen Bericht. Wir würden uns freuen, wenn auch andere uns ihre Erfahrungen schicken würden. Bitte eMail an Kerstin@transgender-net.de. Danke!

OP Bericht GA OP MzF im MarkusKH in Frankfurt


Warum dieser Bericht? Ganz einfach, einmal für meine „Memoiren“ und zum anderen als Aufklärung für alle die, denen dies noch bevorsteht. Dieser Bericht gibt ausschließlich meine Meinung wieder. Da ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Krankenhaus stationär behandelt wurde (abgesehen von meiner Entbindung vor .... also vor laaanger Zeit jedenfalls), kann ich weder die Leistungen innerhalb der heiligen Hallen mit der von anderen Häusern vergleichen, noch die unterschiedlichen GA OP Techniken beleuchten. Aber das kann ja eh niemand. Also ein rein subjektiver Bericht, in dem aber gezeigt werden soll, daß nicht alles perfekt ablaufen muß.

Zu meiner Person
Ich bin 37, verheiratet und alleinerziehend (Tochter 16 Jahre und Sohn 13 Jahre), lebe getrennt von meiner Partnerin Liana (wir sehen uns als Freundinnen und verstehen uns seither so gut wie nie zuvor). Beruflich selbstständig im handwerklichen Sektor, als One-Womancompany. Mein Comingout war Oktober/November 2001.

Zeitraum vor OP
Kostenübernahmezusage der Kasse kam Anfang 2003. Die weiteren Einzelschritte gingen zügig voran, so daß ich im April 2003 meine „Einberufung“ für den 09.07.03, in das MarkusKH erhielt. Warum das Markus? Seit ich mich nach meinem Outing intensiv damit auseinandersetzte, habe ich viele Berichte aus anderen KH und auch eine Liste mit Operateuren im Worldwideweb entdeckt. Damals entstanden Kopfgründe für das MarkusKH: OP im gleichen Ort – Familie, vor allem aber die Kinder können mich besuchen, wann immer sie wollen!! Weiterhin habe ich die Möglichkeit, fehlende Dinge kurzfristig besorgen zu lassen. Außerdem ist die kurze Entfernung zw. Wohnung und KH gerade für die Heimfahrt nach der OP von Vorteil. Zuletzt kannte ich das KH von meiner früheren Tätigkeit im Rettungsdienst der Feuerwehr in Frankfurt. Wir haben dieses KH oft angesteuert, um „Kundschaft“ mit dem Rettungswagen „anzuliefern“ und auch wieder abzuholen.

Diese Kopfgründe haben sich gehalten und im Nachhinein auch als richtig erwiesen. Ende Februar hatte ich dann das Vorgespräch mit meinem zukünftigen „Papa“ Prof. Sohn. Das Gefühl auf ein Krankenhaus zuzugehen, um einen großen und risikoreichen Eingriff vornehmenzulassen, war eindeutig mit Angst gekoppelt. Allerdings nur vor dem Gespräch. Herr Sohn hatte durch seine Mischung aus Information und der Fähigkeit, zuhören zu können, alle Bedenken vertrieben. Damit war ich auch vom Bauch auf die OP eingestellt.

Warum habe ich mich nur auf ein KH festgelegt und keine weiteren Operateure mehr aufgesucht? Dazu nur ein Vergleich: Immer wenn ich eine Sach- oder Dienstleistung in Anspruch nehme, kann ich nur meinem Bauchgefühl vertrauen, da ich mich in der Materie ja nicht auskenne. Also ehrlich, wenn ich mein Auto zur Reperatur bringe, muß ich ja auch glauben was mir vom Chef erzählt wird. Genauso kann mir jeder Tausend schöne Dinge erzählen. Die Richtigkeit der Aussagen kann ich nie und Nimmer nachprüfen. Also was bleibt? Nur das Bauchgefühl!

Durch meine Selbstständigkeit habe ich die Zeit bis Ende April genutzt, um Aufträge abzuarbeiten und gleichzeitig meine Lagerbestände aufzustocken. Sollte ich länger benötigen, um nach der OP wieder auf die Beine zu kommen, so würde mir dies als materielle, aber auch im KH als geistige Beruhigung dienen.

Von Anfang Mai bis Anfang Juli habe ich mich dann ausschließlich einem größeren Modellbauprojekt gewidmet. Dadurch kamen Wochenarbeitszeiten von 70 – 90 Stunden zusammen. Einerseits schön, denn die Zeit bis zur OP verging dadurch sehr schnell. Andererseits aber auch sehr stressig. Dies und der Umstieg vom Auto zum Fahrrad haben zu einer Gewichtsabnahme von über 10kg in 5 Monaten geführt. Lediglich in der Woche vor OP habe ich mich wieder fast ausschließlich um Haushalt und Kinder gekümmert. Einerseits hatte ich keine Konzentration für meine Arbeit, andererseits hat mir mein Körper auch klargemacht, daß ich etwas Ruhe brauche und Kräfte sammeln muß. Interesanterweise war ich so glücklich, daß ich die OP gerne noch etwas verzögert hätte um dieses Glücksgefühl der baldigen OP noch länger auszukosten.

Die letzten Tage Zuhause waren geprägt von intensiven Vorbereitungen. Einkaufen, Putzen, Packen, Musikauswahl treffen, letzte Anweisungen an Liana usw.

Die Zeit im MarkusKH
Mittwoch,09.07.03

Nur 5 Minuten nach 8 Uhr auf Station angekommen. Kurz darauf schon einen Entstehungsbrand gelöscht (Zigarette im Mülleimer tssstsstss.). Daß ich noch immer die alte Karte (falscher Vorname) meiner Krankenkasse habe, löst ungläubiges Kopfschütteln aus und sorgt hier und da für Mehrarbeit. Die Unterbringung erfolgt in einem Zweibettzimmer, in dem ich bis zum Nachmittag alleine bin. Solange ich nicht irgendwohin (Aufnahme, EKG, Labor) geschickt wurde, fand ich das sehr wohltuend. Denn alleine und mit der richtigen Musik konnte ich mich sehr gut ausbalancieren. Die Abführflüssigkeit war für mich beileibe nicht so schlimm wie ich es erwartet habe. Einzig die Tatsache, 2 Liter in einer kurzen Zeit zu trinken, war und ist für mich nicht leicht. Mein Zimmer habe ich auch mit einigen Dingen dekoriert, um mich etwas wohler zu fühlen. Mein Bett zierte ein Schild mit der Aufschrift: Psssst Andrea träumt vom Vaginchen. Dieses Schlid hatte so einiges Schmunzeln bei Besuchern und KH Personal hervorgerufen.

Da ich ahnte, wie schwer mir die 5tägige Bettruhe fallen wird, bin an diesem Tag immer die Treppen rauf und runter gelaufen und habe mich gefreut, daß ich laufen darf und auch kann!!! Das einzig Negative an diesem Tag war nach dem Gespräch über die OP und ihre Risiken. Die Stationsärztin wollte noch mal einen Blick auf mein „Ersatzteillager“ werfen. Mir war klar, daß dies noch kommen würde, aber darauf hätte ich wahnsinnig gerne verzichtet. Nun ja, wenigstens wurde es von der Stationsärztin absolviert, die mir sehr sympathisch war.

Als ich anschließend wieder in das Zimmer kam, wurde gerade eine Patientin, Karina, reingeschoben. Da ihre freundliche und aufgeschlossene Freundin Bea dabei war, kamen wir gleich ins Gespräch. Gottseidank, denn da ich sooooo schüchtern bin, hätte es anderenfalls noch gedauert. Karina kam gerade aus dem OP und hatte Ihre GA-OP erfolgreich hinter sich gebracht. Da Karina mir einen Tag vorraus war, habe ich sie zuerst scherzhaft meine große Schwester genannt. Ich denke wir haben uns auf die verschiedenen Arten sehr gut ergänzt. Das Leben nach der OP wird zeigen ob wir Schwestern bleiben werden.

Am späten Abend habe ich Ihr Bett im Zimmer verschoben, damit Sie die nächtliche Frankfurter Skyline betrachten kann. Meine Nachtruhe war begrenzt. Sicherlich war ich aufgeregt. Aber schon die Tatsache, daß ich in der ersten Nacht in einem fremden Bett nie richtig schlafen kann, hatte schon gereicht. Hinzu kam noch der Umstand, daß ich zu doof war, um das Kopfteil des Bettes gerade zu stellen. Erst am Morgen kam ich zufällig irgendwo am Bett an einen Hebel und das Kopfteil war endlich gerade. Gegen Morgen hatte ich noch irgendeinen Blödsinn geträumt. Allerdings habe ich am Abend zuvor dankend auf eine Schlaftablette verzichtet.

Donnerstag, 10.07.03
Ich war schon sehr früh wach und hatte meine Chance ergriffen, noch ein letztes Mal zu duschen. Da mein Zimmer keine eigene Dusche hat, geschah dies auf der Stationsdusche oder wie ich sagen würde in der Garage. Abgestellte Rollstühle und anderes mehr entwickeln einen sehr unbehaglichen Eindruck. Der Pfleger, der mich rasieren sollte, war sehr angetan, daß ich ihm diesen Job schon zuhause abgenommen hatte. Offensichtlich hat er seine Probleme mit den Trannies auf der Urologischen Station. Zwischendurch habe ich noch einen sehr guten Freund angerufen und Ihm zum Geburtstag gratuliert. Tja jetzt haben wir am selben Tag Geburtstag und es wird jedes Jahr interresant sein, wer wem zuerst gratuliert.

Danach habe ich mich in die Uniform gezwängt (Kopfhaube, rückenfreies Hemdchen und die halterlosen Trombosestrümpfe). Auf Anraten von Karina habe ich dann die Beruhigungstablette genommen. Weil ich nicht miterleben wollte, wie das Team im OP vor meinen Augen das Besteck sortiert. Wie war das noch? Gabel rechts, Messer links... sorry ich bin mal wieder am rumblödeln. Aber ihr merkt ich kann wieder lachen. Daß ich zum OP geschoben wurde, fand ich mehr als albern, denn noch konnte ich doch laufen. Abgesehen davon habe ich die Patienten früher durch diese heiligen Hallen geschoben und nicht umgekehrt.

Wohlbehalten kam ich an der Schleuse an, wurde eingeschleust und bekam von irgendwem einen venösen Zugang verpaßt. Das klappte erst im zweiten Versuch. Angeblich wäre das neue Material nicht so perfekt (ein Königreich für eine bessere Ausrede). Jedenfalls hat dieser „Metzger“ dermaßen gewaltätig auf meinem Arm herumgedrückt, daß ich einen blauen Fleck davontrug. Blauer Fleck ist doch nichts besonderes? Oder etwa doch? Bei mir sind blaue Flecken fast so selten wie ein Lottogewinn!

Das war aber die letzte Maßnahme, die ich miterleben durfte. Irgendwann am Nachmittag bin ich im Aufwachraum freundlich aber bestimmt geweckt worden. Offensichtlich wollte ich aber nicht wachwerden, naja eine schöne Tasse Hallo Wach mit zwei Stück Zucker hätte da Wunder gewirkt. Ich bekam aber nur ein Spray um meinen Mund etwas anzufeuchten. Durch die netten Pflegekräfte von Station 14 bin ich auch in einem elektrischen Bett wachgeworden. Nein eine Ähnlichkeit zum elektrischen Stuhl besteht nicht. Vielmehr war ich ab diesem Zeitpunkt in der Lage, mein Bett elektrisch zu verstellen. Absolutes Muß!! Vielleicht um 16 Uhr war ich zurück auf Station. Liana war viel zu aufgeregt und wollte nicht so lange warten. Deshalb habe ich sie erst später gesehen.

Wie ging es mir denn hier? Glücklich, geschafft und mit einer nur sehr geringen Konzentration. Kurze Aktivität war gepaart mit längeren Dämmer und Ruhephasen. Trotzdem war ich erstaunt daß ich erstens keine Schmerzen gespürt habe, zweitens meine Extremitäten sehr gut bewegen konnte und sehr schnell bereits die wichtigsten Personen von der geglückten OP telefonisch informieren konnte. Lediglich die Bauchdecke erlaubte keine Betätigung. Das Aufrichten des Oberkörpers war nur durch Hochziehen am Galgen möglich.

In den nächsten Tagen mußte ich erst noch realisieren, daß ich nun von anderen abhängig bin. Diese Abhängigkeit war für mich eine Horrorsituation. Ich kann nun mal sehr gut geben, aber nur begrenzt nehmen. So habe ich Wünsche an das Plegepersonal immer vorausgeplant. Erst wenn jemand ins Zimmer kam. Der Rufknopf war in den ersten Tagen für mich Tabu.

Nun war auch ich ins Überwachungsprogramm der Pflegekräfte integriert. Blutdruck, Puls, Fiebermessen, Medikamente und natürlich die Trombosespritze. Die ersten taten noch weh. Erst gegen Ende meines Aufenthaltes war es erträglich. Einmal bekam ich sie in den Bauch. Da ich dort sehr empfindlich bin, war es der Horror für mich.

Die Nacht war sehr kurz für mich. Denn wenn ich keine körperliche Betätigung habe, dann fehlt mir auch die Müdigkeit. Also liege ich nur herum und kann nicht einschlafen. Erschwerend kam hinzu, daß ich sonst NIE auf dem Rücken schlafe. Ich hatte es zu Hause mal probiert und bereits nach 5 Minuten wieder aufgegeben. Insgesamt lag ich jedoch über 8600 Minuten ununterbrochen auf dem Rücken! Zu Hause würde ich bei Schlafproblemen aufstehen und irgendwohin gehen, wo ich niemand störe. Aber hier? Nun Karina schlief sehr gut und hatte mir versichert, daß ich ruhig den Fernseher anmachen könnte, aber bis meine Not groß genug war um dieses Angebot annehmen zu können, vergingen noch einige Tage.

Freitag, 11.07.03
Nach nur 2 Stunden Schlaf war ich lange vor 7 Uhr wach. Wahnsinn, zu Hause bin ich ein Nachtmensch und stehe spät und vor allem ungern auf. Aber hier wurde das frühe Aufstehen, halt es war noch immer nur ein frühes Wachwerden, zur Regel. Vor dem ersten Frühstück kam ein Pfleger und stellte mir die Waschschüssel ans Bett und.....verschwand auf Nimmerwiedersehen. Ich war zwar in der Lage, mich einigermaßen zu waschen, aber nur die Vorderseite. Wenn sich nicht Bea angeboten hätte, auf vieles hätte ich verzichten müssen. Für Bea war es eine Selbstverständlichkeit, mir genauso wie bei Karina den Rücken zu waschen, den Rücken mit Franzbranntwein einzureiben, Äpfel zu schälen, Handreichungen hier, kleine und große Dinge zu organisieren, Pflegekräfte herbeizurufen, Mut zuzusprechen und und und.

Bea war jeden Tag von morgens bis abends bei uns. Mir haben auch die witzigen Gespräche mit Ihr gut getan. Mit Karina habe ich unheimlich interresante Gespräche geführt. Wir haben uns gut ergänzt. Langeweile hatte ich nie. Außer nachts, wenn ich nicht einschlafen konnte. Vor allem, wenn der Mond am Himmel stand und sich nicht bewegen wollte und dadurch auch die Zeit scheinbar feststand. Die Visite war ein Witz für mich. Kurze Frage "Wie geht’s?". Kleiner Blick auf den Verband und schon waren sie bei mir fertig. Also ehrlich mit den Augen der Wirtschaftlichkeit betrachtet, hier läßt sich jede Menge Geld einsparen. Für mich sah dies immer wie eine reine Selbstdarstellung aus. Wenn sich bspw. einige Ärzte um eine kleinere Anzahl von Patienten kümmern, aber zur täglichen Kontrolle nur einzeln auftreten. Dies könnte mehr Zeit und damit auch die Möglichkeit zum Frage/Antwortspiel zwischen Kunden/Arzt eröffnen. Zudem wäre eine bessere Bindung zwischen Kunden und Arzt möglich. Sowohl fachlich als auch menschlich. Wahrscheinlich spielt auch noch ein anderer Punkt eine Rolle, in unser Zimmer kam die Visite immer zuletzt. Zeit, die in anderen Zimmern verbraucht wurde, muß ja irgendwo eingespart werden, damit der weitere Tagesablauf nicht gestört wird.

Ich für meinen Teil hätte mir ein längeres Gespräch direkt nach der OP gewünscht, in dem geklärt wird, was geschehen ist bzw. was weiter geschehen wird. Auf die tägliche Visite hätte ich locker verzichten können, da die Pflegekräfte bei Veränderungen des Allgemeinzustandes von sich aus reagieren.

Zu diesem Tag ist noch anzumerken, daß ich zwar wieder essen durfte, aber mangels Bewegung habe ich auch keinen Hunger verspürt. Selbst Schokolade war uninterresant für mich!

Auch in dieser Nacht habe ich wieder nur 11/2 bis 2 Stunden geschlafen. Mit jedem Tag geht es zwar einerseits etwas besser, andererseits baue ich aber immer ab, da das Liegen eine unerträgliche Qual für mich ist. Noch nicht mal das Liegen auf der Seite war eine Lösung. Einerseits war es bis zum 3. Tag noch Tabu, aber auch dann war es keine wirkliche Erleichterung. Andererseits war die Bewegungsfähigkeit durch die beiden Wunddrainagen und die gelbe „Handtasche“ sehr begrenzt. Einzig die Aussicht, am Montag oder spätestens Dienstag aufstehen zu dürfen, trieb mich weiter voran.

Samstag, 12.07.03
Die Stationsärztin kam mit dem Verbandswagen aufs Zimmer und hat bei Karina und mir den Verband gewechselt. Da sie jedoch wie immer zu wenig Zeit hatte, unterblieb der Blick auf mein Vaginchen. Erst danach habe ich von Bea ein Bild mit der Digitalkamera machen lassen, da der neue Verband den unteren Teil der Schamlippen frei ließ. Gelobt sei der Erfinder der digitalen Bildbearbeitung. Allerdings hatte ich mir das Ganze nicht so rot und abstehend vorgestellt. Bevor ich mich jedoch festlegen konnte, ob mir das gefallen oder nicht gefallen sollte, hatte sich Bea schon begeistert darüber geäußert. Danke Bea, das war der richtige Weg!

Die Konzentrationsfähigkeit zum Lesen ist noch immer eingeschränkt. Deshalb habe ich den Laptop gerne im Schrank stehen lassen. Außer, daß ich wieder nicht schlafen konnte fällt mir nichts besonderes mehr zum Samstag ein.

Sonntag, 13.07.03
Dies sollte ein Tag voller Höhen und Tiefen werden. Trotz des fehlenden Schlafes war ich voller Tatendrang. Morgens hatte uns Bea im Bett die Haare gewaschen. Ach Bea, was hätte ich ohne Dich gemacht?! Heute geschah auch etwas überraschendes: 3 Visiten hatten sich bislang meinen Verband angeschaut. Aber niemand hatte bemerkt, daß der Verband vom Cystofix (Katheter durch die Bauchdecke in die Harnblase) komplett blutverkrustet war. Die Schwester, die heute das erste mal bei uns Dienst hatte, war so auf Zack, daß sie nach 3 Minuten wieder hier war und das, was andere nicht bemerkt hatten, in Windeseile in Ordnung gebracht hatte! Soviel zu meiner Kritik an der Visite!

Karina und ich hatten fast das gleiche Longshirt im Gepäck und so lag der Entschluß auf der Hand, Partnerlook zu tragen. Heute war der große Besuchstag für Karina und Bea. Leider viel zu kurz für die Beiden. Als der Besuch weg war, ergab sich aus nichtigem Grund eine Gelächterkette zwischen Bea, Karina und mir. Ich lache gerne. Und ich liebe solche Momente, die kein Ende nehmen wollen. Aber mit der angespannten Bauchdecke war dies absolut kein Vergnügen mehr. Jedesmal wenn wir glaubten, es sei überstanden, fing einer von uns wieder von neuem an. Das ganze ging soweit, daß ich Bea zum ersten und einzigen Male aus dem Zimmer weisen mußte.

Am Abend meldete sich mein Darm. Durch die fehlende Bewegung und den entleerten Darm war ich ziemlich gebläht. Deshalb mußte ich mir am Abend die Bettpfanne bringen lassen. Das war etwas, worauf ich liebend gerne verzichtet hätte. Denn ich empfand es als äußerst unangenehm für mich und für das Plegepersonal. Wobei bis zum Abend alles gut verlief. Nach dem dritten Mal hatte der Pfleger sogar Salbe mitgebracht, um der bereits wunden Stelle etwas Linderung zu verschaffen. Dann kam jedoch die Nacht und mit ihr eine Schwester von einer anderen Station. Als ich mir von ihr die Bettpfanne bringen ließ, fragte sie mich ob ich Papier hätte, ich schaute ziemlich verdutzt. Sie überreichte mir eine Rolle Klopapier und verschwand.

Hier muß einiges erwähnt werden:
1. Wenn irgend möglich hätte ich auf diese Aktion im Bett verzichtet.
2. Wenn schon notwendig hätte ich mich lieber selber abgeputzt
3. Ich wäre körperlich vielleicht in der Lage gewesen, mich auf die Seite zu drehen, und es irgendwie selbst zu erledigen. Aber ich hatte vielzuviel Bammel, die Wunde zu verschmieren (der Verband ließ ja den unteren Teil der Schamlippen frei), mich nicht richtig sauber zu kriegen und dabei auch das Bett zu verschmutzen. Abgesehen davon hätte ich nur eine Hand zur Verfügung gehabt, da ich mich mit einer Hand seitlich am Bett festhalten mußte.

Nachdem ich fertig war kam sie wieder und putzte mich widerwillig ab. Wie gedemütigt ich mich fühlte, kann ich hier nicht in Worte fassen. In der Nacht mußte ich mir die Pfanne nochmals bringen lassen. Mein Darm nahm keine Rücksicht. Bevor ich mich nochmals von ihr demütigen ließ, habe ich mich so gut es ging selbst sauber gemacht. Die Überlegung aufzustehen, um meine Würde wiederzuerlangen, lag sehr nahe, einzig die Angst, dadurch mein Vaginchen in Gefahr zu bringen, hielt mich davon ab. Das war eine sehr kräftezehrende Angelegenheit. Die Wut über diese Art und Weise, wie ich hier der Willkür eines Menschen ausgeliefert war, läßt sich ebenfalls nicht in Worte fassen. Daß ich in dieser Nacht kaum Schlaf und erst recht keine Erholung fand, liegt auf der Hand.

Montag, 14.07.03
Endlich Morgen. Endlich die richtigen Menschen um mich herum. Hier vor allem Tausend Dank an Bea! Endlich wieder sauber! Endlich wieder wie ein Mensch behandelt zu werden. Endlich wieder auf einem sauberen Laken liegen. Alles wieder im Lot?

Nein denn die Seele wird lange brauchen um dies verarbeiten zu können. Auch wird es mich einige Überwindung kosten, mich noch einmal in die totale Abhängigkeit von anderen Menschen zu begeben.
War es Streß der letzten Nacht? War es die Auswirkung der doch großen OP? Jedenfalls wurde ich am Vormittag immer aphatischer. Langsam aber stetig stellten sich Bauchschmerzen ein. Das Frühstück ließ ich zurückgehen, da ich nicht mehr in der Lage war, etwas zu essen. Nicht nur weil ich in dieser Nacht so gut wie gar nicht geschlafen hatte. Bea und Karina haben dies bemerkt und nachdem ich kaum auf Ihre Fragen reagiert hatte, hatte Bea die Assistenzsärztin verständigt. Diese hielt sich offensichtlich nicht für zuständig. Erst als zwei Pflegekräfte den Ernst der Lage erkannt und erste Maßnahmen eingeleitet hatten, kam die Stationsärztin hinzu.

Was war geschehen? Mir ging es sehr schlecht. Schmerzen im Unterbauch. Das Abtasten des Unterbauches war schmerzhaft. Kaum ansprechbar. Also volles Programm. Erneut einen venösen Zugang im Arm erhalten. Insgesamt hatte ich im KH etwa 7 Einstichstellen in den Armen und noch einen zentralvenösen Zugang im Hals erhalten. Test der Vitalwerte einschließlich Blutzucker. Ringerlösung im Schuß, um einen eventuellen Volumenmangel auszugleichen. Zwischendurch lief die Planung der Ärztin schon weiter und so wurde ich quasi alarmmäßig zum Röntgen und zur Computertomographie nach unten gebracht. Begleitet bzw. transportiert haben mich ein Pfleger und die Stationsärztin. Zuerst zum Röntgen. Es dauerte einige Zeit bis ich drankam. Bis dahin war mein Bett im Flur geparkt. Sowohl der Pfleger, als auch die Ärztin haben mich immer wieder informiert, wo ich bin, was als nächstes geschehen soll und damit sehr viel Ruhe in die Angelegenheit gebracht. Dafür, für diese Menschlichkeit, die ich nicht als Selbstverständlich erachtet habe, bin ich sehr dankbar.

Obwohl ich meine Augen nicht aufgekriegt habe, habe doch einiges um mich herum gehört und in Erinnerung behalten. So lief eine ältere Frau an meinem Bett vorbei und meinte nur: die arme Frau. Weniger daß sie mich bedauert hat, nein als Frau erkannt zu werden, ist nach wie vor etwas Tolles und nicht Selbstverständliches für mich. Vor allem aber, weil ich in diesem Moment aussah wie eine Leiche auf Urlaub, nur nicht so erholt. Für das Röntgenfoto mußte ich in eine Seitenlage gedreht werden. Die Ärztin hatte die Anwesenden zwar darüber aufgeklärt, wo es mir wehtut, aber das ging anscheinend unter. Denn da ich mich nicht mehr bewegen konnte, wurde Hand an mich gelegt. Jedenfalls hat mich dann jemand direkt am Bauch gepackt und in Position gebracht. Auuuuah! Anschließend ging es weiter zum CT. Dort angekommen hat mir die Ärztin den CT als großen Doughnut erklärt. Weil sie darauf bestand, habe ich kurz mal die Äuglein aufgemacht und und den CT bestaunt. In meinen Gedanken mußte ich schmunzeln, denn zum CT habe ich der Feuerwehr schon vielfach Patienten gebracht. Lediglich selbst wurde ich noch nicht reingeschoben. Die Umlagerung war hier zumindest für mich nicht mehr problematisch.

Nachdem die Ergebnisse vom CT und Röntgen vorlagen, wurde ich in einen Seitentrakt geschoben und von der Ärztin aufgeklärt. Nein nicht über die Bienen und die Blumen. Vielmehr bestand der Verdacht, auf Unregelmäßigkeiten einer Darmschlinge, die zw. Bauchdecke und Blase liegt. Eine operativer Eingriff war unumgänglich. Die OP sollte von meiner Stationsärztin und Prof. Sohn durchgeführt werden. Obwohl Schwierigkeiten am Darm im Vorfeld eine große Angst für mich darstellten, war ich doch erleichtert, denn nun konnte es nur noch besser werden. Nachdem ich bereitwillig die erneute Narkoseeinwilligung unterschrieben hatte ( was ich sehr albern empfand: hätte ich eine andere Wahl gehabt? Genauso wie wenn der Polizist fragt, ob ich mit der Verwarnung einverstanden bin), wurde ich Richtung Op geschoben.

Das Einschleusen war diesmal eine Lachnummer. Ich hatte ja noch 2 Ringe und eine Uhr an meinen Händen. Diese Kleinigkeiten könnten aufgrund der Bürokratie dazu führen, daß ich vor dem Einschleusen verblute. Der Pfleger hinter der Schleuse durfte den Schmuck nicht anehmen. Die Ärztin, die sich alleine mit mir auf der anderen Seite abmühte auch nicht. Da die Ärztin mit in den OP mußte, war sie sowieso schon im Streß. Wegen dem Streß, den sie mit mir hatte, tat sie mir echt leid. So komisch war ich drauf in diesem Moment. Mir wird gleich der Bauch aufgeschnitten, und trotzdem bedaure ich andere Menschen. Also machte ich einen Vorschlag zur Güte und meinte, sie solle den Schmuck einstecken und mir später wiedergeben. Nein, darf sie nicht. Nun ja irgendwie wurde das Problem gelöst und ich wurde eingeschleust.

Jetzt wurde ich wieder Richtung OP geschoben. Nur diesmal hatte ich keine Beruhigungstablette eingeworfen und hab damit alles Live bis in den OP miterlebt. Auf der Fahrt bis in den OP hab ich eigentlich schon mit allem abgeschlossen. Nein, mein Leben zog nicht an mir vorbei. Aber ich habe mich so auf das Schlimmste eingestellt. Da ich mich lieber positiv als negativ überraschen lasse, ist dies meine Art, mich auf unbekannte Situationen einzustellen. Gleichzeitig hab ich aber auch Dankbarkeit empfunden. Denn ich hatte es ja geschafft und endlich das richtige Geschlecht. Ich lag auf einem sehr schmalen Rollwagen, der rechte Arm wurde auf einer ausschwenkbaren Halterung fixiert. Irgendwie kam mir das vor wie in Texas bei einer Hinrichtung oder wie bei Braveheart am Ende des Films. Bei Braveheart wird vom Helden im letzten Aufbäumen noch Freeeeeeiheit gerufen. Ich hatte noch kurz überlegt, Vagiiiiinchen zu rufen, aber da das eh niemand verstanden hätte, hab ich es dann doch gelassen.

Negativ waren allerdings zwei andere Punkte: zum einen mußte ich mitanhören wie im Hintergrung das Besteck sortiert wurde. Wegen dem Klimpern hab ich dann doch noch einen Scherz probiert:“Ich höre Messer und Gabeln, gibt es denn schon zu essen?“ Nun ja, die Menschen um mich herum waren so mit tausend Dingen beschäftigt, daß dies komplett unterging. Während eine Frau versuchte mich an Schläuche und ähnliches anzuschließen, fing jemand anderes mit einer sehr tiefen Stimme an, heftig mit meiner Stationsärztin zu meckern. Meckern war noch zu wenig, es war ein einseitiger Streitvortrag. Es ging wohl um fehlende Laborwerte. Ich war darüber sehr unglücklich und wurde mit jedem weiteren Wort immer wütender. Also sagte ich kurzerhand zu der Frau an meinem Arm: “Also dieser Typ hat sie nicht alle, ich komme hier friedlich und ruhig rein und dieser Typ verbreitet solch eine Unruhe.“ Nun dieser „Typ“ war die Narkoseärztin. Sie hatte mein Statement mitgehört. Daß sie von Ihrer Kundschaft kritisiert wird, hatte sie wohl noch nicht erlebt. Jedenfalls versuchte sie sich mürrisch zu rechtfertigen. Wenn ich daran denke, wie sorgsam wir bei der Feuerwehr mit unseren Kunden umgegangen sind. Vor allem, wenn sie sich in einer Ausnahmesituation befanden. Diese Frau sollte mal darüber nachdenken. Dann fiel bei mir der Vorhang. Tja die Narkoseärzte haben eben immer den letzten Drücker. Schnarch.............................

Auf der Intensivstation kam ich zu mir, als ich neu verkabelt wurde. Voller Schrecken bemerkte ich einen Schlauch in meinem Hals. Würg. Mega Würg. Mega Würg Gold. Kurz bevor der Brechreiz zum Übergeben geführt hat, hab ich mich wieder beruhigen können. Puh, das war knapp. Das Zeitgefühl auf Intensiv habe ich komplett verloren. Ich fühlte mich so schrecklich einsam. Ich wollte nur raus hier und zurück auf meine Station zu Bea und meiner „großen Schwester“. Liana schaute kurz vorbei. Ich weiß nicht, wer dem anderen mehr leid getan hat. Ich ihr. Oder sie mir. Jedenfalls wurden ihre großen Ängste, was die OP betraf, durch diesen 2. Eingriff voll mit Leben erfüllt.

Liana war von Bea angerufen worden und in Windeseile in KH geeilt. Auf der Station angekommen, wollte sie wissen, was mit mir los ist. Ärzte waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu finden und durften nach Aussage einer Schwester auch nicht aus solch einem nichtigen Grund angepiepst werden. Liana stand also da, und bekam keine Antwort auf ihre Fragen. Nun das Beruhigendste wäre doch gewesen, sie nach unten auf Intensiv zu schicken, damit sie mich sieht. Aber das fiel dieser ........ von Schwester natürlich im Traum nicht ein. Zartfühlend wie sie war, kam von ihr erstmal die Frage: „Wer sind sie denn überhaupt?“. Muß man jetzt sein Stammbuch mit ins KH mitbringen? Ich weiß, daß Liana in solch einer Situation sehr sarkastisch werden kann, aber wahrscheinlich hat sich diese Schwester noch nie in ihrem Leben Sorgen um einen lieben Menschen machen müssen. Jedenfalls ließ sie Liana im Flur stehen und verschwand mit den Worten: „Mit ihnen diskutiere ich nicht“. Erst nach einiger Zeit hat ein anderer Pfleger Liana nach unten geschickt.

Später stand Bea auf einmal vor mir. Welchen Optimismus hatte sie hier (und nicht nur bei mir) verbreitet und welche Ängste hat sie vor mir in diesem Moment verborgen. Wahnsinn, kann ich da nur sagen. Die Narkoseärztin schaute auch noch einmal vorbei. Jetzt war sie sehr viel ruhiger. Offensichtlich hab ich die richtigen Worte getroffen. Lediglich, daß ich sie aufgrund Ihrer dunklen Stimme als Typ bezeichnet hatte, tat mir aufrichtig leid. Aber schließlich passiert mir das auch immer wieder. Wie rufe ich auf Intensiv eigentlich den Zimmerkellner? Die Klingel konnte ich nirgends entdecken.

Glücklicherweise habe ich während meiner Ausbildung bei der Feuerwehr selbst mal auf der Intensivstation gearbeitet. Daher kannte ich einiges. Nur eben nicht aus der Perspektive der Kundin. Also nur ganz kurz den Sauerstoffsensor (ähnlich wie eine Wäscheklammer) vom Finger gezogen...und schon kommt der Roomservice angewackelt. Um mein Würgegefühl im Zaum zu halten, habe ich wieder ein Mundspray erhalten. Die Einsamkeit war hier das Schlimmste für mich. Nachts gegen 2 Uhr bin zu mir gekommen und war sofort wieder am Würgen. Immer noch wegen dem Schlauch im Hals. Aber irgendwie habe ich mich noch selbst beruhigen können. Aber beim dritten Mal um 4 Uhr, ließ sich der Brechreiz nicht mehr unterdrücken. Ich mußte mich zwar nicht übergeben, aber ich klappte zusammen wie ein Taschenmesser.

Die angespannte Bauchdecke von der 1. OP waren schon schlimm genug, aber nun hatte ich ja eine senkrechte Naht im Bauch (14 Stiche) und das tat zusätzlich ganz scheußlich weh. Panik machte sich breit. So kann es nicht weiter gehen. Also nach erprobter Manier nach dem Personal „geklingelt“. Nun begann ein sehr kurzer und fruchtbarer Dialog zwischen der sehr sehr netten Nachtschwester und mir. Ich wollte wissen warum überhaupt dieser Schlauch. Antwort, um Flüssigkeit aus dem Magen abzuführen und ein Übergeben zu verhindern. Damit wurde diese Magensonde aber zum Widerspruch, denn sie löst ja das Übergeben aus. Ihre erste Meinung war, ein Arzt müßte entscheiden, ob die Sonde bleiben darf oder nicht. Jedoch nach zwei weiteren Sätzen, zog sie kurz entschlossen die Sonde selbst. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich sie am liebsten umarmt dafür! Wie sie kurz erwähnte, war sie selbst schon mal in der gleichen Situation und wußte genau wie unangenehm diese Magensonde war. Was für Glück hatte ich in dieser Nacht mit dem Personal. Ich hatte jemanden mit Herz und Verstand.

Dienstag, 15.08.03
Nach dieser Nacht kommt am Morgen eine neue Schwester. Oh mein Gott, was für Unterschied. Offensichtlich hat sie erst vor kurzem Ihre Ausbildung abgeschlossen. Fast schon nach militärischen Gesichtspunkten zieht sie ihr Programm durch. Dazwischen noch Belehrungen und und und. Sogar zum Aufstehen will sie mich nötigen. Ich muß sie erst aufklären, daß ich dies noch gar nicht darf. Dann endlich wird mir eröffnet, daß meine Blutwerte zwar nicht berauschend sind, aber aufgrund meines jugendlichen Alters (diese Schmeichler) würde mein Körper dies alleine regulieren. Gottseidank, denn wenn ich eine Konserve erhalten hätte, wäre mein Gastspiel auf Intensiv noch verlängert worden.

Deshalb werde ich heute noch zurückverlegt auf meine Station. Die Zeit schien schon wieder still zu stehen. Ich habe mit jeder Minute gekämpft. Aber endlich kam mein Transportpersonal von Station 14. Was habe ich mich gefreut wieder auf Station zu sein. Wieder Bea und Karina zu sehen. Wieder diesen Ausblick am Fenster zu haben. Nicht mehr in diesem fensterlosen Gefängnis liegen zu müssen. Vor allem ja auch der Umstand, daß ich nichts hatte, außer meinem unbändigen Willen, hier wieder rauszukommen. Nein ich hatte rein gar nichts Privates hier, noch nicht einmal die Kleidung, die ich am Leib trug, war die eigene! Erst in meinem Zimmer habe ich aber auch den einzigen Vorteil der Intensivstation realisiert: die Klimaanlage. Hier im Zimmer hatten wir etwa 30° C! Diese Temperaturen waren mörderisch, vor allem nach dem was ich hinter mir hatte.

Die Einnahme von Abführmitteln habe ich energisch abgelehnt! Nach allem was am Sonntag geschehen war, wollte ich erst welche nehmen, wenn ich auf alleine Toilette gehen konnte. Durch die 2. OP bekam ich jetzt jeden Tag Infusionen. Ich hing also an der Flasche. Außerdem hatte ich als Andenken an die 2. OP noch 2 zusätzliche Drainagen erhalten. Insgesamt hingen also 5 Schläuche samt Beutel und die Anschlußarmatur am Hals, der sogenannte Zentralvenöse Katheter, aus mir heraus (das hat ganz schön „geschlaucht“).

Prof. Sohn kam kurz vorbei und hier habe ich erfahren, daß der Auslöser einzig und allein ein Bluterguß im OP-Umfeld wahr. Diese zweite OP würde mich nach seiner Meinung um 4-5 Tage zurückwerfen vom regulären Zeitplan. Die Krönung war aber die folgende Aussage: „Bei der 2.OP haben wir ein Stück Silikonschlauch entfernt, das beim Stechen des Cystofix in der 1.OP vom Cystofix abgebrochen war. Es wäre kein Problem gewesen dieses im Körper zu belassen, den Frauen mit Brustaufbau haben sehr viel mehr davon im Körper, aber nun haben wir die Gelegenheit ergriffen und es mit entfernt“. Da fehlen einem die Worte. Dazu mehrere Gedanken von mir:
1. Hätte ich je erfahren, daß ich einen Fremdkörper in mir trage?
2. Wie kann Silikon abbrechen. Ich arbeite selbst mit diesem Material und kenne die Eigenschaften dieses Elastomeres.
3. Selbst wenn ein Stück Silikon abbrechen könnte, dann müßte es sehr spröde und sehr hart sein. So und wenn solch ein hartes Teilchen im Körper hin und her wandert...........
Fragen dazu konnte ich nicht mehr stellen, denn diese außerplanmäßige Visite war so schnell verschwunden wie sie begonnen hatte.

Matt und geschafft von diesen Mördertemperaturen, kam der Nachmittag und mit ihm kamen die nächsten Probleme. Wahnsinn, immer wenn ich bis jetzt dachte jetzt wird es besser, es geht voran, dann kam der nächste Hammer. Ich verspürte Übelkeit und mußte mich massiv übergeben. Es kam nur etwas Flüssigkeit, aber die Schmerzen im Unterbauch waren eine neue Dimension. Denn wie zuvor auf Intensiv war das Übergeben gekoppelt mit dem Taschenmessereffekt. Wenn ich in diesem Moment hätte geradeausdenken können, hätte ich sicher versucht wegzulaufen. Wegzulaufen vor der Situation und meinem Körper. Aber dazu kam es nicht. Denn mein Auswurf war rötlich und hatte meine Stationsärztin erneut auf den Plan gerufen. Also auf zur nächsten Station im „Abenteuer“ Krankenhaus: Magenspiegelung. Diesmal zwar ohne Vollnarkose, aber wieder wurde ich mit Medikamenten schlafen geschickt. Im Medizinerjargon heißt es, ich wurde abgeschossen. Dabei wurde ein kleiner Ulkus an der Magenwand festgestellt. Nichts dramatisches. Nach Meinung der Ärztin eine Reaktion auf den Streß der 2. OP. Nein, wenn schon Streß, dann ausgelöst durch die liebreizende Nachtschwester und ihr Umgang mit mir und der Bettpfanne!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Siehe Sonntag, 13.07.03.

Als ich wieder in meinem Zimmer erwachte, graute mir schon vor dem nächsten Rückfall, aber hier heißt es nun einmal Zähne zusammenbeißen und weiter. Irgendwie habe ich aber auch die nächste Nacht überstanden. Schlaf war wieder einmal Mangelware, denn durch die Hitze und die damit verbundenen Schweißausbrüche schwamm ich in meinem Bett.

Mittwoch, 16.07.03
Nach dem Frühstück erschien zuerst die kleine Visite mit Prof. Sohn und Begleitung. Das Spiel mit der kleinen Visite und der großen Visite sollte noch einige Tage so weiter gehen. Offensichtlich bekam ich durch meine Leiden (die neuen Leiden der jungen A.) einen Sonderstatus. In Anbetracht meiner Erlebnisse sollte ich erst am nächsten Tag aufstehen dürfen. So schwach wie ich mich fühlte, war ich damit einverstanden. Denn zu meiner Lage kam das Treibhausklima in unserem Zimmer erschwerend hinzu. Wenig später kam die große Visite. Wobei mir von einem jungen Arzt signalisiert wurde, daß ich heute noch aufgelegt werde und aufstehen darf. Naja, ich war baff wie so immer, daß ich nichts sagen konnte. Aber die Frage stellt sich doch: wäre etwas mehr Kommunikation zwischen den Ärzten nicht sinnvoll?????????????????????????? Dieser Eindruck, daß die Rechte oft nicht weiß, was die Linke macht, wurde ich in der ganzen Zeit nicht los!

Nach kurzer Zeit wurde ich nach unten gebracht. Was für eine Aktion, behängt mit 5 Beuteln und einer Infusion vom Bett auf das Stühlchen zu kriechen. Nun ich hatte tierisch Bammel aus zwei Gründen:
1. Ich habe nun mal Angst vor Schmerzen
2. Außerdem war mein Kreislauf nach allem, was ich seit Sonntag erleben durfte, noch mehr als wackelig und wenn dann noch Schmerzen hinzu kommen, bin ich ruckzuck weg vom Fenster

Aber die Schwester hatte mich ganz super unterstützt. Das erstemal im Gyn-Stuhl. Wow. So langsam kamen die Ärzte hinzu und es ging los. Das Entfernen des 4 Tage alten Verbandes ging ohne Probleme vonstatten. Der Clou war aber die Ungeduld des 2. Arztes. Männer! Während der Erste gerade mit dem Skalpell die Fäden an der Harnröhre durchtrennte, machte sich der 2. an den Monsterdrainagen von der 2. OP zu schaffen. An der Bauchdecke waren mit Fäden je eine Sicherheitsnadel angenäht. Diese Sicherheitsnadel steckte quer durch den Schlauch der Drainage und hielt ihn so auf Position. Das Nachziehen dieser Drainage hat dann auch ordentlich weh getan. Auf meinen Einwand hin, ich könne mich nur auf einen Schmerz konzentrieren, wurde dies dann auch nacheinander gemacht. Alles weitere war dann ein Klacks. Der Stent kam raus und wurde gesäubert. Der Scheidenkanal wurde begutachtet und erfreulicherweise ist alles gut angewachsen.

Dann wurde ich gesäubert und bekam den obligatorischen Klaps. Neugeborene bekommen den Klaps auf den Po, wir bekommen ihn auf die Klitoris. Dann sollte ich mit dem Finger selbst in mich eintauchen. Zuletzt wurde mir der Umgang mit dem Stent erklärt und ich mußte den Herrschaften noch vorführen, daß ich damit umgehen kann. Verständlich, aber trotzdem finde ich diese „Prüfungssituationen“ immer wieder bescheuert. Ich komme mir dabei so vorgeführt vor. Dabei wäre es egal ob ich das Bougieren oder den Umgang mit dem Feuerlöscher zeigen sollte. Außerdem wurden noch die kleinen Drainagen entfernt und die gelbe Handtasche abgestöpselt.

Danach waren sie der Meinung, ich könnte mal eben aufstehen und etwas laufen. Da sie offensichtlich glaubten, ich müsse das können, habe ich es zumindest versucht. Aber das Resultat war mir klar. Sowie ich nur einen Fuß nach unten hängen ließ, wurde mir schon Schwarz vor Augen. Kinder, ich hab eben erst die 2. OP hinter mich gebracht, lest ihr denn gar keine Akten????? Ich liege in einem Zimmer mit Treibhaustemperaturen und bin froh, dies alles ohne Blackout überstanden zu haben. Männer mit Einfühlungsvermögen?? Das muß erst noch erfunden werden.

Aber eine ganz wichtige Sache muß ich hier noch erwähnen: Dies war meine erste Situation in meinem neuen Leben, in der ich mich anderen Menschen nackt präsentiert habe. Dieses Schamgefühl, wie ich noch vor der OP hatte, war bzw. ist nicht mehr vorhanden!! Ich bin am Ziel!!!!!

Als ich mittags im Zimmer zum ersten Mal bougiert hatte und zuvor mit dem Finger in mich eingetaucht bin, da hatte ich Freudentränen in den Augen! Außerdem hatte ich jetzt endlich Gelegenheit, einige Bilder vom Vaginchen zu machen und mich so zu bewundern. Nochmals gepriesen sei der Erfinder der digitalen Bildbearbeitung. Denn damit ging es sehr viel besser als mit einem Handspiegel. Außerdem habe ich dadurch die Entwicklung/Veränderung der Schwellungen als Zeitdokument erhalten. Bis jetzt mache ich alle paar Tage eine neue Aufnahme.

Wieder zurück im Zimmer begann eine neue Zeitrechnung. Ab jetzt bin ich zum Bougieren verurteilt. Lebenslänglich. Zuerst 4 mal täglich 30 Minuten lang. Allerdings muß ich einfügen, daß mir das Bougieren immer angenehm war und bis zum heutigen Tag Spaß macht. Ja, richtig gelesen, es macht mir Spaß. Einzig der Zeitbedarf setzt etwas Planung und Umdenken voraus. Bei guter Führung kann es dann weniger werden. Hinzu kommen 2 Sitzbäder täglich. Außerdem muß, oder besser darf, ich jetzt zum Wasserlassen auf die Toilette. Nach jedem Toilettengang muß ich das Ventil am Cystofix öffnen und kontrollieren, wieviel Harn noch in der Blase war. Mit der Hilfe vom Personal bin ich zum ersten mal aufgestanden.

Außerdem habe ich heute endlich wieder meine Hormonspritze erhalten, da ich ja jetzt wieder zum Volk der werktätigen Fußgänger gehöre. Das erste Mal waren es nur einige Meter. Für diese ersten Schritte, habe ich sehr gekämpft mit mir. Aber jetzt war ich so beflügelt, daß mich nichts mehr halten konnte. Nun ging es endlich bergauf. Der erste Toilettengang war auch ein Erlebnis für sich. Nun, am Ende der Harnröhre waren die Fäden und deshalb brannte es einige Tage lang an dieser Stelle. Deshalb war es auch gewöhnungsbedürftig, sich hinzusetzten und nur zu entspannen, damit es läuft. Denn wenn es lief, brannte es und ich verkrampfte mich wieder. Aber auch die Tatsache, nicht mehr zu drücken, sondern nur zu entspannen, war etwas das ich nicht als schlimm empfand, sondern einfach nur ungewohnt. Außerdem hatte ich darüber noch nie etwas gelesen und war völlig überrascht. In dieser Situation war ich sehr froh, hier Aufklärung von Biofrauen zu erhalten.

Um ungestört Bougieren zu können, haben Karina und Bea ein Schild mit der Aufschrift „Bitte nicht stören“ gebastelt, das immer vor die Tür gehängt wurde. Während es für Karina und mich kein Problem darstellte, gleichzeitig zu bougieren, war die eingeschränkte Privatsphäre schon ein Problem. Am Abend hatte ich mein erstes Sitzbad. Vielleicht hätte ich um Hilfe bitten sollen, aber ich bin lieber selbstständig. Nur ein Sitzbad zu nehmen okay, ich hatte es aber zubereitet, es absolviert und hinterher noch aufgeräumt. Als ich damit fertig war, schaffte ich es gerade noch bis ins Bett, bevor ich fast zusammengeklappt wäre. Das einzige Problem war jetzt noch mein Darm. Der war durch die Narkosen stark beeinträchtigt. Durch die Untätigkeit desselben und Luft im System hatte ich einen Bauch wie eine Schwangere. Deshalb ließ ich mir abends vom Pfleger etwas zum Abführen geben. Aus Angst, dies könnte im Schlaf wirken, habe ich mich die Nacht über wach gehalten. Erst am Morgen habe ich eine Stunde geschlafen. Ich weiß, irgendwie idiotisch, aber wenn ich ein lohnendes Ziel sehe, dann bin ich auch bereit, dafür etwas zu tun.

Donnerstag, 17.07.03
Das Abführmittel hat nur wenig geholfen, aber jetzt lasse ich mir dies weiterhin geben. Vor dem Frühstück schaffe ich es über den Flur bis zum Stationsbad auf die Waage. Allerdings war ich enttäuscht. Denn da mein Darm noch gefüllt war, konnte ich keine Gewichtsabnahme feststellen. Anschließend habe ich über dem Waschbecken die Haare wieder selbst gewaschen. Mein Tag ist noch immer sehr mit Bougieren, Sitzbädern und anderen Dingen verplant. Auch die Verabreichung von Antibiotika via Infusion raubt mehrmals am Tag die Zeit. Zum Frühstück und am Nachmittag trinke ich wieder mit Genuß Kaffee, da dies meinen Darm etwas unterstützt. So langsam unternehme ich größere „Wanderungen auf dem Flur“ und komme mir trotzdem vor wie ein Tiger im Käfig. Allerdings zeigt mir mein Körper auch immer wieder die Grenzen auf: zu langes Laufen bestraft er mit angeschwollenen Schamlippen. Einmal war es so extrem, daß das Bougieren nur eingeschränkt möglich war. Der nächste große Wunsch für mich zeichnet sich auch schon ab: alleine im Auto unterwegs, laut Musik zu hören, mitsingen und endlich wieder Freiheit zu spüren.

Die Nachtruhe wird immer besser. Jetzt waren es fast 5 Stunden Schlaf.

Freitag, 18.07.03
Bei der Visite wurde ich nach meinem Befinden gefragt. Als ich meinte gut, wenn mir die endlich die großen Drainagen entfernt werden, meinte Prof. Sohn scherzhaft, das wäre Erpressung. Aber es wurde beschlossen, dies noch an diesem Tag zu erledigen. Ein kleiner Schock war allerdings die Nachricht, daß Karina am nächsten Tag entlassen wird. Meine große Schwester geht nach Hause und ich bleibe alleine hier zurück. Natürlich freue ich mich für sie, aber jetzt wieder allein zu sein, daran muß ich mich erst wieder gewöhnen. Am Nachmittag kam endlich ein Arzt, um mich von meinen großen Drainagen zu befreien. Zuerst wurde die Rechte entfernt. Ich habe es gespürt, aber es tat nicht wirklich weh. Dann kam die Linke. Das war der Hammer. Es fühlte sich so an, als würde mir jemand die Schamlippen von innen her herausreißen. Allerdings war der Schmerz sehr schnell wieder vorbei. Anschließend habe ich noch gefragt, wie tief die Schläuche denn in mir waren. Darauf zeigte mir der Arzt mit seinen Händen einen Abstand von etwa 20 – 30 cm. Und ich hatte Angst, die Schläuche könnten versehentlich rausrutschen!

Am Abend hatte ich dann mein letztes Tief. Mein Bauch wurde immer kugeliger, tat weh und zudem fing mein Puls an zu rasen und schneller zu werden. Jetzt zeigte sich, daß ich die 2.OP zwar mit einigen Späßchen verdrängt, aber noch lange nicht verarbeitet hatte. Denn ich fing in meinen Gedanken an rumzuspinnen. Im Stillen habe ich mich schon zum 3. Mal im OP liegen sehen. Durch das Ziehen der Drainage habe ich mir eingebildet, eine erneute Blutung zu haben. Ich hatte also die Schwester verständigt. Anschließend hatte ich meinen Schmuck abgelegt, wieder die Krankenhausuniform angezogen und mich von Karina und unserem Besuch, Liana und Bea, verabschiedet. Kurz darauf kam die Schwester und konnte zwar den rasenden Puls bestätigen, der angespannte Bauch war auch da, aber der Blutdruck sprach gegen meine Einbildung. Gott sei Dank! Nach Rücksprache mit der Ärztin bekam ich erstmal ein Schmerzmittel via Infusion angehängt. Dies tat nach einiger Zeit seine Wirkung. Als später die Stationsärztin noch vorbeischaute, war ich schon wieder ziemlich Ok und hab mich entschuldigt für meine überzogenes Verhalten. Auch die Karina und unser Besuch waren ziemlich geschockt von meiner Reaktion, aber wie schon gesagt, die 2.OP mußte ich noch verarbeiten. Ich denke das Schreiben dieser Zeilen hat mir dabei weitergeholfen.

Samstag, 19.07.03
Am Samstag verließen mich Karina und Bea. Gerade als ich sie noch zum Auto begleiten wollte, wurde ich wieder via Infusion ans Bett gefesselt. Ich war den Tränen nahe. Was jetzt? Die meisten Bücher hatte ich schon gelesen. Also packte ich den Laptop aus und begann damit, Dateien zu bearbeiten. Ach ja, so langsam bekam ich auch wieder etwas Appetit. Da ich keine besonderen Ansprüche stelle, war ich mit dem Essen immer sehr zufrieden.

Sonntag, 20.07.03
Der Sonntag war wie der Samstag. Bougieren, Sitzbäder, Infusionen und Arbeit am Laptop.

Montag, 21.07.03
Der Montag verläuft ähnlich wie das Wochenende. Am Vormittag darf ich wieder in den 2. Stock, wo ich zum zweiten mal aufgelegt (Gyn-Stuhl) werde. Was für ein Gefühl, endlich wieder normale Kleidung, endlich wieder Treppensteigen! Herrlich ohne irgendwelche Beutel behängt auf dem Stuhl Platz nehmen zu können. Nach etwas Wartezeit waren auch die Ärtze da. Auch die 2. Nachschau ergab nur Positives. Während ich mir erklären ließ, wie ein Cystofix aussieht und wie er „montiert“ wird, wurde er fast unmerklich entfernt. Sah irgendwie lustig, wie etwas Urin nachlief, als der Schlauch schon draußen war. Als ob ich ein Auslaufmodell wäre.

Nachdem ich den Cystofix gesehen hatte, war auch klar, daß nicht etwa etwas abgebrochen, sondern vielmehr ein Schlauchendstück durch die Hohlnadel des Cystofix abgeschnitten wurde. Dieses Schlauchstück bekam ich dann auch zu sehen. Meine Gedankenkette zu diesem Ereignis wurde also nur durch eine falsche Erklärung ausgelöst. Es handelte sich also tatsächlich um ein weiches Silikonstückchen. Soweit ich mir dies vorstellen kann, wäre dies sicher nicht zu einem Problem für mich geworden. Am nächsten Tag wurde ich dann sogar gefragt, ob ich dieses Teilchen mit nach Hause nehmen wollte. Da ich den Prof Sohn noch ganz keck fragte, ob ich ohne 2.OP von diesem Schlauchstückchen in mir erfahren hätte, wurde am anderen Tag noch ganz kurz der OP Bericht vorgelegt (Zeitdauer etwa 1min 30 sek). Jetzt wird hier und da der Gedanke aufkommen, Papier ist geduldig. Aber logisch betrachtet komme ich eigentlich zu einer anderen These:
Wenn wirklich versucht worden wäre, mir meinen neuen Untermieter (besagtes Schlauchstück) zu verheimlichen, dann hätte mir sicher niemand nach der 2.OP von dessen Entfernung erzählt. Also war und ist dieses „Problem“ nie ein Problem!

Einige Fragen zum Verhalten zu Hause, die noch hatte, sollte ich am anderen Tage der Visite stellen. Die Frage von Prof. Sohn, ob ich nach Hause wolle, habe ich eindeutig bejaht. Wieder zurück im Zimmer war ich mit den Gedanken schon zu Hause. Also blieb mir als Ablenkung nur das Arbeiten am Laptop. Eine Umstellung war für mich der Gang zur Toilette. Denn noch einige Male wollte ich den Restharn messen. Aber der Cystofix war ja nicht mehr vorhanden.

Dienstag, 22.07.03
So versessen wie ich war, nach Hause zu kommen, bin ich schon sehr früh aufgestanden. Meine Siebensachen waren schnell gepackt und so saß ich wie auf glühenden Kohlen. Was war noch zu erledigen? Frühstücken, meine Fragen an die Ärzteschaft und ein Schreiben an meine Hausärztin zu erhalten. Endlich kam das Frühstück. Irgendwann kam auch die Visite. Wozu eigentlich? Um nett zu grinsen und auf Wiedersehen zu sagen? Mehr nicht. Denn meine 8 Fragen waren eine Zumutung für Sie. Außerdem hätten sie eh keine Zeit. Warum in aller Welt schauen sie dann überhaupt vorbei? Um in der Abrechnung an die Kasse noch eine Visite mehr anrechnen zu können?

Wie schon kurz geschildert, wurde mir der OP-Bericht von einer Assistenzärztin kurz vor die Nase gehalten. Zeit zum Lesen, geschweige denn zum eingermaßen Nachvollziehen des Ganzen wurde mir nicht gewährt. Wenigstens hatte sie mir auf meine Fragen geantwortet. Jedoch ein Abschlußgespräch, in dem geklärt wird, was ich darf, was ich nicht, was ich sollte und und und hat nie stattgefunden. Eine miserable Geschichte. Denn damit bleibt sehr viel Unsicherheit zurück!!!!!

Die Zeit zu Hause
Dienstag, 22.07.03

Eine Patientin aus dem Nachbarzimmer, die am gleichen Tag entlassen wurde, hat mich mit Ihrem Wagen nach Hause gebracht.

Wie schön war das, endlich wieder zu Hause zu sein. Was war das ungewohnt wieder zu Hause zu sein. Das KH Zimmer war so leer und so hoch. Meine Wohnung kam mir jetzt so klein und dunkel vor. Klar war/ist das Wichtigste, meine Kinder wieder zu sehen. Auch Liana war da. Zu guter Letzt habe ich dann noch mein Katerle begrüßt.

Mittwoch, 23.07.03
Die ersten Tage zu Hause waren geprägt, von Büroarbeiten, Terminabsprachen (Ärztin, Friseur und Epilation) und dem ersten Überblick über die Lebensmittelvorräte. Auch die wichtigsten Freunde mußten noch informiert werden, daß ich ab sofort wieder zu Hause bin. Liana hatte mich kurz in die Werkstatt gefahren, denn einige kleine Bestellungen mußten auch erledigt werden. Abends bin ich sogar beim Bougieren eingeschlafen.

Donnerstag, 24.07.03
Am Vormittag habe ich mir die Fäden der Bauchnaht entfernen lassen. Leider war meine Hausärztin im Urlaub, weshalb ich zur Vertretung mußte. Bereits am Donnerstag war die nächste Fahrt in die Werkstatt notwendig. Diesmal war Liana nur vorsichtshalber dabei, denn ich bin wieder selbst gefahren. Schwierig ist für mich, daß mein Kopf mir keine Ruhe läßt. Immer neue Dinge wollen erledigt werden. Gleichzeitig bremst mich mein Körper gnadenlos aus. Bis ich wieder eine normale 50-Stunden-Woche durchführen kann, vergeht noch einige Zeit.

Freitag, 25.07.03
Jede freie Minute in der mein Körper es zuläßt, sitze ich am Laptop und bearbeite Dateien. Das Sitzen ist auf dem Sitzring etwas anstrengend. Abhilfe verschafft ein kleines Kissen. Ein großes Ereignis war der Blick auf die Waage. Ich habe im KH etwa 4 kg Gewicht verloren. Allerdings konnte ich das erst jetzt feststellen, da der Darm bis jetzt brauchte um die Versäumnisse der letzten Wochen aufzuholen. Damit bin ich seit Anfang Februar von 88kg auf 74kg geschrumpft. Jetzt gilt es diesen Wert zu halten.

Samstag, 26.07.03
Mit Liana habe ich erst einen kleinen Schaufensterbummel unternommen und dann ging es zum Einkaufen. Eigentlich wollte ich nur Äpfel und Joghurt. Aber wie immer war der Einkaufswagen wieder voll gefüllt. Das war schon eine ganz ordentliche Leistung. Aber es hat mir auch ganz klar die Leistungsgrenzen deutlich gemacht. Denn zu Hause war nach dem Einräumen wieder schlafen angesagt.

Montag, 28.07.03
Am Montag habe ich mir die Hormone verabreichen und einen Hormonspiegel machen lassen.

Dienstag, 29.07.03
Nachdem ich wieder einige Fotos vom Vaginchen gemacht hatte, war ich doch etwas aufgeregt. Denn einerseits habe ich einige dunkle Stellen entdeckt, die nur Fäden sein können. Alle auflösenden Fäden sind jedoch mittlerweile transparent. Sind hier noch Fäden, die vom Arzt entfernt werden müssen? Außerdem sind deutlich gelbe Sekretansammlungen an den Fäden zu erkennen. Eigentlich kann es keine Entzündung/Eiter sein, denn ein Berührungsschmerz ist nicht vorhanden. Aber das Gefühl der Unsicherheit ist deutlich vorhanden.

Tja, wenn ich eine „Bedienungsanleitung“ für mein Vaginchen erhalten hätte, wäre mir mehr als geholfen. Aber obwohl dieser Eingriff im Markus-KH schon zigfach abgewickelt wurde, hat sich noch niemand mit dieser Idee auseinandergesetzt. Nach der Rücksprache mit der Sprechstundenhilfe, warte ich den kommenden Freitag und damit die Rückkehr meiner Hausärztin ab.

Mittwoch, 30.07.03
Heute ist endlich der lang ersehnte Friseurtermin. Zuerst wurden die Haare von meinem Sohn in Ordnung gebracht. Dann kam ich dran. Bis ich fertig war, saß ich 3 Stunden auf dem Sitzring. Zwischendrin dachte ich, ich könnte es nicht mehr aushalten. Die Schmerzen waren echt unerträglich geworden. Jedoch lag es nicht am Sitzen, sondern vielmehr an der übervollen Blase. Nach dem Toilettengang war alles wieder im grünen Bereich. Das lange Sitzen war quasi eine Generalprobe, denn am Freitag wollte ich alleine mit dem Auto nach Köln zum Epilieren fahren. Wenn ich hier also 3 Stunden sitzen kann, dann stellen 200 km Autofahrt (einfach) definitiv kein Problem dar. Abschließend muß ich aber auch sagen, daß der Friseurtermin auch optisch das brachte, was ich mir vorgestellt hatte.

Freitag, 01.08.03
Der erste Weg führt mich zu meiner Ärztin. Sie kann mich allerdings beruhigen, bezüglich der Fäden. Abgesehen davon ist sie ganz begeistert vom Heilungsprozeß meines Vaginchens.

Nicht begeistert war sie von dem langen Weg, den ich im KH erdulden mußte, um ans Ziel zu kommen. Aber abschließend hat sie sich doch riesig gefreut, daß ich es endlich geschafft habe. Nach dem Arztbesuch bin ich noch schnell zur Apotheke und dann sofort nach Köln zur Nadelepi gefahren. Die Fahrt war wunderschön. Alleine im Auto, die Musik so laut wie ich wollte und niemand stört sich daran, wenn ich mitsinge. Ich war so schnell unterwegs, daß ich viel zu früh in Köln ankam. Das war endlich wieder das Gefühl der Freiheit, das ich solange vermißt habe. Da während der fast 4 Wochen seit meinem letzten Termin doch einiges nachgewachsen war, habe ich mich riesig auf diesen Termin gefreut. Denn danach sah ich wieder, nach meinem dafürhalten, wie ein Mensch aus.

Wieder zu Hause angekommen, hat mir mein Körper auch ganz klar signalisiert, daß eine Pause wieder zwingend geboten ist. Übrigens war heute erst das 2.mal, daß ich meine „Hausaufgaben“(Bougieren) nur 3 anstatt 4 mal gemacht habe.

Samstag, 02.08.03
Heute habe ich Liana nach Kassel gefahren, wo sie sich 1 Woche Urlaub gönnt, die sie sich auch redlich verdient hat. Denn während meiner KH-Zeit hat sie sich neben Ihrer Ausbildung um Tausend Dinge in meinem Haushalt gekümmert, das Auto zur Reperatur gebracht, sie war die Notbesetzung in meiner Firma und hat mich zu guter Letzt jeden Tag im KH besucht. Über allem stand dann noch die Angst um mich im allgemeinen. Vor allem aber während meiner wiederholten Rückschläge.

Sonntag, 03.08.03
Das Wochenende habe ich dazu genutzt, um mich wieder geistig auf mein Modellbauprojekt einzustimmen. Im KH dachte ich daran, den Termin platzen zu lassen. Aber je mehr die Kräfte zurückkehren, destomehr treibt mich auch der Kopf voran. Zudem spielt eine ganz andere Überlegung mit: zu Hause zu bleiben, heißt Stillstand, Stillstand bedeutet Gewichtszunahme, was durch die Hormone noch gesteigert wird und das führt zu Unzufriedenheit.

Montag, 04.08.03
Erster Arbeitstag. Allerdings nur Teilzeit. Da ich meinen Hausfreund/Stent nicht mitnehmen wollte, war dieser Arbeitstag auf etwa 4 Stunden begrenzt. Es wurde zwar etwas mehr, da es Arbeiten gibt, die man nicht liegenläßt. Zuerst mußte ich mal gründlich aufräumen. Auch ums Gebäude herum war jede Menge Unkraut gewuchert, das entfernt werden mußte. Abgesehen von diesen Temperaturen, hat es richtig Spaß gemacht.

Dienstag, 05.08.03
Zweiter Arbeitstag. Auch heute war noch Aufräumen und Umorganisieren angesagt. Ich brauche nun einmal klare Verhältnisse, bevor ich beginnen kann. Auch heute waren es etwas mehr als 4 Stunden.

Mittwoch, 06.08.03
Da ich heute morgen etwas müde war, habe ich beschlossen auf meinen Körper zu hören und zu Hause etwas Erholung zu suchen (ich glaube ich habe diese auch gefunden).

Donnerstag, 07.08.03
Die Erholung hat sehr gut getan. Morgens führt mich der Weg zur Ärztin, damit ich die nächste Hormonspritze erhalte. Die Ergebnisse der Hormonkontrolle sind da. Seit der letzten Kontrolle, sind die Werte deutlich abgesackt. Danach bin ich wieder für 4 Stunden in die Werkstatt gefahren. Endlich konnte ich die Zeit wieder meinem Modellbauprojekt widmen.

Freitag, 08.08.03
Morgens bin ich wieder nach Kassel gedüst, um Liana aus Ihren Ferien abzuholen.

Samstag, 09.08.03
Heute war Waschtag. 5 Maschinen Wäsche wollen sortiert, in die Maschine gepackt und anschließend nach oben zum Trocknen gebracht werden.

Sonntag, 10.08.03
Der Ehrgeiz hat mich gepackt. Innerhalb weniger Stunden habe ich das meiste dieses Berichtes geschrieben. Besonders von den KH Erlebnissen ist unheimlich viel im Gedächtniss geblieben. Dadurch stelle ich auch fest, daß das Schreiben gut tut zur Verarbeitung des Erlebten. Am Abend habe ich nach den Hausaufgaben zum ersten mal den Vibrator kurz ins Spiel gebracht.

Montag, 11.08.03
Heute geht es sehr früh los. Um 6:30 aufstehen, Frühstücken, Hausaufgaben machen und die Siebensachen zusammenpacken. Wieder nach Köln unterwegs zum Nadeln. Da es heute nur noch sehr dünne Haare sind, ist es eine ungewohnt schmerzhafte Prozedur. Nun ja, es sind ja auch wieder 200 Minuten am Stück. Aber was macht Frau nicht alles um perfekt zu wirken.

Danach bin weiter nach Norden gefahren, um Karina und Bea wieder zu sehen. Daß mir das Wiedersehen mit den Beiden mehr bedeutet als meine Arbeit, spricht für die zwei und zeigt auch, daß ich mich verändert habe. Ja, sie sind mir sehr ans Herz gewachsen. Nach einem sehr schönen Abend, habe ich dort übernachtet. Als ich gegen Mitternacht noch meine Hausaufgaben gemacht habe, bin ich dabei eingeschlafen und erst 5 Stunden später wieder aufgewacht. Mein „Freund“ hatte mich in dieser Zeit nicht verlassen....

Dienstag, 12.08.03
Am nächsten Morgen habe ich mich auf den Heimweg gemacht. Der letzte Tag war sehr lang, daher beschließe ich diesen Tag zu Hause zu bleiben und nichts zu machen. Das muß ja ab und an auch erledigt werden. Wobei ich beim Nichtstun eine blutige Anfängerin bin. Abends habe ich das erste Mal meine Hausaufgaben mit dem Vibrator erledigt. Noch ungewohnt, da das Gefühl für die Tiefe noch fehlt, aber praktischer als mit dem Stent. Außerdem hat der Vibrator ja auch noch einige Möglichkeiten mehr..........

Mittwoch, 13.08.03
Auch heute bleibe ich zuhause. Allerdings wieder in gewohnter Betriebsamkeit. Denn dieser Bericht muß erweitert und überarbeitet werden. Außerdem muß die Wäsche vom Trockenboden geholt, sortiert, gebügelt und aufgeräumt werden.

Donnerstag, 14.08.03
Heute hatte ich zum ersten Mal einen 8 Stunden Arbeitstag. Was für andere viel sein mag, ist für mich durch die Selbstständigkeit eindeutig die unterste Grenze. Wahrscheinlich werde ich neben dem großen Einkauf am Samstag, auch am Wochenende zur Arbeit eilen. Durch den 8-Stunden-Tag habe ich meine Hausaufgaben in der Mittagspause erledigt. Gerade bei der Arbeit blutet mir das Herz, wenn ich eine halbe Stunde stillsitzen muß.

Seit heute werden auch 2 von 4 Hausaufgaben, mit dem Vibrator erledigt. Das Gefühl für die richtige Tiefe wird zunehmend besser. Da die Temperatur heute endlich wieder erträglich ist, werde ich vermutlich am Wochende eine kleine Runde mit dem Fahrrad wagen.

Nachtrag Mitte September
Zwischen Mitte August und Ende September bin ich in ein postoperatives Loch gefallen. Kurz gesagt, ich habe mich etwas zurückgezogen und mich mit Schokolade gefüttert. Mein altes Ich kam nochmal an die Oberfläche und kämpfte etwas mit mir (bspw. beim Toilettengang wollte ich unbewußt etwas beiseitedrücken, was ja nicht mehr vorhanden ist). Allerdings habe ich diesen Zustand erst nach diesen etwa 8 Tagen realisiert.

Das Modellbauprojekt habe ich aus Zeitgründen aufgegeben und damit auch die Beteiligung an der Ausstellung abgesagt. Die Zeit zu Hause verbrachte ich fast ausschließlich mit dem Arbeiten am Laptop. Nach längerer Zeit zu Hause, tat ich mich sehr schwer, wieder mit der Arbeit zu beginnen. Erst in der zweiten Septemberwoche hatte ich wieder die Motivation dafür. Der wichtigste Grund wieder zu Arbeiten war die Gewichtszunahme der letzten Wochen! Aber auch die eingegangenen Aufträge mußten bearbeitet werden. Rein körperlich war die Umstellung kein Problem, lediglich das Fahrradfahren war nach 2 Monatiger Pause eine erneute Konditionsfrage. Dies hat sich aber nach einigen Tagen wieder gegeben. Rein körperlich bin ich absolut leistungsfähig (sicherlich wäre ich auch schon vor einigen Wochen so weit gewesen). So habe ich schon einige 18 Stunden Tage hinter mich gebracht.

Das Bougieren habe ich von Mitte August bis Mitte September schrittweise von 4 mal täglich auf 1 mal täglich reduziert. Mittlerweile denke ich auch darüber nach, längere Pausen auszuprobieren. Bougiert wird seit Mitte August nur noch mit dem Vibrator.

Einen ganz anderen Punkt mußte ich für mich auch noch erkennen und akzeptieren: Für mich hat sich durch die OP unheimlich viel verändert, aber eben nur für mich! Deshalb kam es und wird es auch immer wieder dazu kommen, daß ich vor allem am Telefon als „Herr Schmid“ angesprochen werde. Dies tat einige Male sehr weh! Aber nun habe ich endgültig begriffen, daß meine Veränderung für andere Menschen unsichtbar, vor allem aber auch unhörbar bleiben wird!

Dienstag, 22.09.03
Heute wurde die Nachkontrolle im Markus KH absolviert. Ein letzter Fadenrest wurde gefunden und entfernt. Ansonsten ist alles in bester Ordnung. Durch das regelmäßige Bougieren habe ich etwas mehr Tiefe erreicht. Ursprünglich waren es 11cm. Jetzt bin ich bei etwa 13cm.

Die Orgasmusfähigkeit ist rein technisch vorhanden. Jedoch habe ich es bis jetzt noch nicht herausgefunden, wie ich dorthin komme. Allerdings ist dies kein Grund zum Verwzweifeln, denn einerseits bin ich experimentierfreudig und war schon sehr nahe am Ziel und andererseits lasse ich mir auch Zeit für die Wiederentdeckung der Sexualität nach rund 2 Jahren ohne.


Fazit/Bewertungen
Hier möchte ich einige Punkte zusammenfassen und aus meiner Sicht bewerten, die mir Vorfeld oder im Nachhinein als wichtig erscheinen:
Abführmittel – Habe ich mir viel schlimmer vorgestellt

Langes Liegen – Obwohl ich wußte daß es schlimm wird, hat dies meine Befürchtungen weit übertroffen!

Hormonmagel (Zickenalarm) – Absolut kein Problem, im Gegenteil die Hormongabe im Krankenhaus war perfekt

Abhängigkeit von anderen Menschen – sehr gewöhnungsbedürftig

Angst vor Schmerzen – Nach ambulanten Eingriffen und Zahnarztbesuchen habe ich schon deutlich mehr und vor allem stärkere Schmerzen verspürt!

Bettpfanne – war deutlich schlimmer als ich es mir vorgestellt habe

Angst vor Komplikationen – Die einzigen Ängste,die ich vorher hatte betrafen Nekrosen und Darmverletzungen, aber die OP war ein Muß für mich. Insofern hatte ich gar keine Wahl!

Angst vor Verzögerungen bis zur Arbeitsaufnahme – Hier hatte ich mehr befürchtet und mich deshalb entsprechend darauf vorbereitet

Informationsfluß – Die Informationen vom Personal im KH, vor allem aber von den Ärzten waren auf ein Minimum ausgelegt und damit eindeutig zu wenig

Abschlußgespräch – Nur ein Satz: UNGENÜGEND WEIL ES NICHT STATTFAND!!!!!!!!!!

Regelmäßiges Bougieren – der einzig zweifelhafte Punkt vor der OP für mich, die regelmäßige Tätigkeit lief aber so selbstverständlich ab, daß ich es nie als Problem empfand. Im Gegenteil, dadurch hatte ich eine perfekte Methode, um gegenüber meinen Kindern einen zeitlichen Freiraum einzufordern

Wahl des Krankenhauses – Was sich im Pflegebereich ereignet hat, war nur die Fehlleistung von einigen wenigen Personen. Die Mehrzahl der Pflegekräfte kann nur gelobt werden! Besonders aber das OP-Resultat läßt vor allem hinsichtlich der Funktionalität keine Wünsche offen!

Danksagungen
Zu guter Letzt möchte ich es nicht versäumen, mich bei einigen Menschen aufrichtig und von ganzem Herzen zu bedanken. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar.

Prof. Sohn
Vielen vielen Dank für das Kunstwerk, das Sie zum wiederholten Male geschaffen haben. Für Sie mag es Alltag sein, für mich ist es unbeschreiblich schön.

Stationsärztin Frau Hartmann
Vielen Dank für Ihre überaus menschliche und sympathische Hilfe während meiner Zeit auf Station 14.

Liana
Vielen Dank für Deine Hilfe im Haushalt, mit Auto, mit den Kindern, mit der Firma und und und. Auch daß Du trotz allem noch die Zeit hattest, mich jeden Tag zu besuchen. Entschuldige bitte, daß Du Angst um mich haben mußtest. Auch wenn wir getrennte Wege gehen, bin ich immer froh darüber, Dich kennengelernt zu haben.

Bea und Karina
Danke für den Mut den Ihr mir gegeben habt. Danke für Tiefgang, Spaß, Hilferufe, Handreichungen, Waschungen, Geborgenheit und und und. So schlimm mancher Tag auch war, Ihr habt mir über vieles hinwegeholfen.