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Hormone - Erfahrungen

Hormontagebuch von Saskia

Saskia nimmt seit Ende September 1999 Hormone. Für das transgender-net beschreibt sie fortlaufend die Wirkungen.


Zu Beginn der 38. Woche startete ich die Hormontherapie mit Androcur-10 und Estrifam Forte in folgender Dosierung:
täglich 1 Tablette Androcur-10 (10mg) und 2 Tabletten Estrifam Forte (je 4mg).

Diese Medikamente nahm ich bis zum Ende der 43. Woche, also 6 Wochen lang.

Die Wirkung objektiv zu beschreiben, ist sehr schwer und Außenstehende nehmen wahrscheinlich besser war, was sich bei mir verändert hat und was nicht. Eine tägliche oder wöchentliche Veränderung kann ich nicht beschreiben (ich kann auch das Gras nicht wachsen sehen – und doch es wächst), aber die Veränderungen über längere Zeiträume kann ich versuchen zu dokumentieren. Letztlich sei noch erwähnt, daß Art, Ausmaß und Geschwindigkeit der Wirkungen grundsätzlich individuell stark variieren.

Die ersten 6 Wochen:
Die erste, eindrucksvollste und erfreulichste Wirkung setzte gleich am ersten Tag nach der Einnahme von Androcur ein (bzw. blieb aus;): es gab keine "Morgenerektion". Gut, einmal kann Zufall sein, aber auch im weiteren Verlauf der HRT blieben "Morgenerektionen", bis auf eine Ausnahme in der 3. Woche, aus – mehr noch: auch sogenannte "spontane Erektionen" wurden seltener und verschwanden schließlich ganz. Selbst auf gezielte Stimulation erfolgte ab der 4./5. Woche keine Reaktion mehr.

Ebenfalls ab der 4. Woche bemerkte ich eine deutliche Reizung meiner Brustwarzen: Sie wurden groß, hart und röteten sich zeitweise auch. Die extreme Empfindsamkeit steigerte sich binnen 2 Tagen ins Schmerzhafte, fast unerträgliche. Unter dem Warzenvorhof hat sich festes Gewebe gebildet, das man mit Daumen und Zeigefinger gut ertasten kann. Im Verlaufe der Hormontherapie hat sich die Haut langsam und unmerklich verändert: Sie wurde trockener und reiner. Besonders im Bereich der Nase und Wangen sind Hautunreinheiten (Mitesser, verstopfte Poren etc.) verschwunden. Um der Haut einen Ausgleich zu bieten benutze ich seit einigen Wochen Tages-, Nacht- und Hydrocreme.

Der Bartwuchs hat sich weder in Art noch im Ausmaß verändert. Die Körperbehaarung ist jedoch nicht mehr so dicht, die Haare sind feiner und wachsen nicht so schnell nach.

Meine emotionalen "ups and downs" möchte ich nicht den Hormonen zuschreiben, sondern einfach den allgemein schwierigen Lebensumständen – ich weine nicht mehr als früher. Eher im Gegenteil: die Einnahme der Hormone hat einen "inneren Druck" von mir genommen und ich bin außergewöhnlich gut gelaunt, positiv gestimmt und manchmal direkt albern. Da ich früher nie so gut gelaunt war ist die Amplitude meiner Gefühle natürlich viel größer geworden: von "himmelhochjauchzend" bis zu "todebetrübt". Aber ich bin keinesfalls mehr suizidial.

Die Hormontherapie hat einen (in meinem Fall unerwünschten) Gewichtsverlust mit sich gebracht, dem ich nur mit ausgiebigen Mahlzeiten Einhalt gebieten kann. Meine Kondition hat nachgelassen, ich bin öfters müde und brauche kurze Ruhepausen, dafür schlafe ich Nachts nicht mehr durch oder werde sehr früh wach.

Ab der 7. Woche:
Die Medikamentation hat sich geändert: anstatt des Estrifam Forte erhalte ich jetzt alle 2 Wochen eine Injektion Progynon Depot-10; weiterhin nehme ich täglich eine Tablette Androcur-10

Im Vergleich zu den ersten 6 Wochen hat sich bisher nichts weiter getan, außer das der schmerzhafte Zustand der Brustwarzen sich nun abgeschwächt hat, wenngleich diese auf Berührungen immer noch extrem sensibel, bei groben Stößen schmerzhaft reagieren.