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Deutscher Transgender-Mann in Haft
(24. September 2002) Sabina von der www.dragkingdom.de-Seite schickte folgendes Mail:
Hallo zusammen,
komme gerade von der Queer Party. Es wurde Geld für Antonio Caputo (Drag King Performer und Transgender) gesammelt und am Sonntag beim Café Fatal (SO 36) wird noch einmal eine Aktion gestartet.

Antonio ist seit 7 (!) Tagen im Gefängnis. Aber erst nach 5 Tagen hat seine Freundin erfahren, was passiert ist. Er war mit den Kings vom Casanova Club unterwegs auf Tour. An der Grenze zu Kanada wurden sie alle aufgehalten und durften nicht einreisen. Angeblich dürfen z.Z. keine Performer ins Land. Antonio haben sie als Einzigen festgenommen, weil er als Ausländer keine Arbeitserlaubnis hatte. Außerdem steht in jenem Bundesstaat Homosexualität unter Strafe. Somit wird er wegen zwei Straftaten festgehalten. Er durfte bisher mit niemandem reden, hat keinen Anwalt, sitzt in Einzelhaft, muß sich alle zwei Stunden vor einer Videokamera zeigen und wird sogar unter der Dusche gefilmt! Nachdem heute ein Telegramm von Joschka Fischer dort hin geschickt wurde, durfte er wenigstens kurz in ein Krankenhaus und sich ärztlich versorgen lassen. (er ist schwer erkältet).

Unglaublich, aber wahr.
Sabina
www.dragkingdom.de

Am 22. September gab es dann wieder Neuigkeiten:
Hallo,
habe gerade mit Antonios Freundin telefoniert. Er wurde bisher noch keinem Haftrichter vorgeführt, ihm werden keine Details mitgeteilt, er weiß nicht, warum. Am Mittwoch sollte er unterschreiben, dass er erst seit Dienstag in Haft sitzt (allerdings sitzt er seit letzten Sonntag). Außer der fehlenden Arbeitserlaubnis, vermutet er, dass er wegen Homosexualität schikaniert wird (ist in North Dakota verboten). Er muß sich wie erwähnt, alle zwei Stunden vor der Videokamera zeigen, wird auch nachts vor die Kamera geholt. Schläft somit kaum, bekommt nicht genug zu essen, seit ein paar Tagen bekommt er gegen seine Nebenhölenvereiterung Antibiotika, was er aber nicht gut verträgt. Pro Tag darf er nur zwei Anrufe entgegen nehmen. Eine Anwältin hat er inzwischen, aber die kostet Geld, das er nicht besitzt.

Seine private Kontonummer ist folgende: [bitte bei KingLady@T-online.de erfragen]

Wer etwas spenden möchte/kann, würde ihm sehr helfen. Von diesem Konto aus kann er direkt von dort aus bezahlen.

Joschka Fischer setzt sich sehr für ihn ein und ist in Kontakt mit Gefängnis und dem Konsulat.

Seine Freundin ist überglücklich, dass so viel Leute sich für ihn einsetzen wollen. Da es jeden Tag passieren kann, dass er in ein anderes Gefängnis verlegt wird, um einen Haftrichter vorgeführt zu werden (alle anderen dort wurden es idR nach einem Tag), bringt es nichts, ihm an seine jetztige Adresse zu schreiben.

Liebe Grüße,
Sabina


(27. September 2002) Antonio Caputo, deutscher Transgender-Mann aus Berlin, befindet sich immer noch in einem us-amerikanischen Gefängnis. In der Berliner Queer-Community sind mittlerweile Solidaritätsaktionen und Spendensammlungen angelaufen. Am 4.10. - also während der TG-Tagung - findet zum Beispiel um 21h im Sonntags Club eine Lesung von Nadja Nikitina statt, wo sie ihr Skript zugunsten Antonio versteigern wird.

Die Rechtsanwältin von Antonio hat folgende Presseerklrung herausgegeben:

Antonio Caputo, ein seit 10 Jahren in der Berliner Szene bekannter Drag King und Performer, befand sich seit Mitte August zusammen mit amerikanischen Künstlern in den USA in North Dakota. Er hat in den USA an zwei Benefiz-Veranstaltungen eine Performance aufgeführt. Am Sonntag, den 15.09.2002, wurde er um 3.00 Uhr morgens, von der Polizei festgenommen und in Einzelhaft gesteckt. Der Vorwurf lautet bisher Arbeiten ohne Arbeitserlaubnis. Nebenbei ist noch zu ergänzen, dass Homosexualität in North Dakota in der heutigen Zeit noch strafbar ist.

Seit dem Tag der Inhaftierung in einer kalten und immer dunklen Zelle wurden die grundlegenden Menschenrechte aus der amerikanischen Menschenrechtskonvention verletzt.

Die Mindestanforderungen an die Achtung der menschlichen Würde wurde in jeder Hinsicht untergraben. Befehle werden nur über Lautsprecher an ihn herangetragen, persönliche Nachfragen und Informationen, was nun eigentlich geschieht, erfolgen gar nicht. Während des Duschens wird er gefilmt. Das Wechseln seiner Sachen wird ihm verwehrt. Bis heute, also seit acht Tagen, durfte er nicht ein Mal an die frische Luft. Licht gibt es in der Zelle nicht.

Seit Dienstag ist Antonio auch an einer Bronchitis erkrankt, die sich bis heute zu einer Nasenhöhlenvereiterung ausgeweitet hat. Eine zweite Decke hat er auf Nachfrage nicht erhalten.

Damit liegt auch eine Verletzung der körperlichen Unversehrtheit vor.

Des weiteren werden die grundlegenden Verfahrensrechte verletzt. Denn seit acht Tagen wurde Antonio keinem Richter vorgeführt, wozu jedoch die Menschenrechtskonvention verpflichtet.

Die Berliner Queer-Community hat während einer Benefizveranstaltung Geld für einen Anwalt in den USA gesammelt.

Das Auswärtige Amt ist informiert.

Für weitere Nachfragen und Unterstützung: Manuela Sissy Kraus, Rechtsanwältin und Redakteurin von Radio Rainbow City;. Telefon : 030 – 399 07 311; webwusel@gmx.net

Antonio braucht dringend Spenden, um seine Verteidigung zu finanzieren. Wer spenden möchte, jeder Euro ist willkommen, wende sich bitte an Sabina
, sie nennt euch dann die Bankverbindung. Hier gibt es aktuelle Infos: www.dragkingdom.de